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Erg.Bd. (1908)
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563
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Radium.

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Eigenschaften. Das Radium gehört zu den alkalischen Erden; seine Salze sindmit denen des Bariums isomorph. Bei der Einwirkung von Natriumamalgam auf eineBarium und Radium enthaltende wässerige Lösung entsteht ein Barium-Radiumamalgam,in dem Radium erheblich angereichert ist; auch bei der Elektrolyse scheint sich das Radiumzuerst abzuscheiden.

Radiumsalze färben die Flamme des Bunsenbrenners rot; das Spektrum dieserFlamme zeigt zwei rote Bänder und eine helle blaue Linie. Nach Runge und Pbecht istdie Linie 4826 am kennzeichnendsten. Im Funkenspektrum besitzt die hellste Linie(im ultraviolett) eine Wellenlänge von 3814,7. Runge und Peecht berechneten aus denspektralanalytischen Daten ein Atomgewicht von etwa Ra = 258.

Radiumchlorid kristallisiert aus seinen heißgesättigten Lösungen in farblosenKristallen, die sich allmählich rosa und dann immer dunkler färben; die Färbung trittum so schneller ein, je reiner das Salz ist. Radiumchlorid und mehr noch Radiurn-bromid zeigen in wasserfreiem Zustande eine prächtig blaue Phosphoreseenz, die aber schonnach einigen Tagen abnimmt. Radium und seine Salze leuchten im Dunkeln; sie unter-liegen fortdauernd einer langsamen Zersetzung, die sich durch Freiwerden sehr erheblicherEnergiemengen, sowie durch die Entwicklung eines faßbaren gasförmigen Stoffes, dersogenannten Emanation, kennzeichnet. Die Emanationskraft der Radiumsalze ist imallgemeinen bei gewöhnlicher Temperatur nur gering. Die Lebensdauer des Radiums istalso durch seine Umbildungen beschränkt. Man kann berechnen, innerhalb welcher Zeitsich von einem gegebenen Quantum Radium die Hälfte zersetzt. DieseHalbwerts-periode" beträgt nach Ramsay und Soddy ungefähr 1000 Jahre.

Beim Zerfall des Radiums bzw. seiner Emanation entwickelt sich eine sehrerhebliche Wärmemenge; ein isoliertes, neben ein Radiumröhrchen gelegtes Thermometerzeigt gleichbleibend einen 34° höheren Wärmegrad an, als ein gleiches in der weiterenUmgebung. Abgesehen von dieser Wärmeentwicklung entsendet das Radium und seineVerbindungen sowie die Emanation noch sehr verschiedene Strahlungen, die an ihrenchemischen, elektrischen und Lichtwirkungen erkannt und durch ihr verschiedenartigesVerhalten gegenüber der photographischen Platte, dem Magneten usw. unterschieden werdenkönnen.

Die Strahlen der radioaktiven Körper sind zuerst von Becquerel an ihrerphotochemischen Wirkung, d. h. ihrer Wirkung auf die photographische Bromsilber-gelatineplatte, erkannt und nach ihrem Entdecker benannt worden. Für das mensch-liche Auge sind die Radiumstrahlen unmittelbar nicht sichtbar, sie erregen jedoch phos-phoreszierende Stoffe (Bariumplatincyanür, Urankaliumcyanür, Zinkblende, Diamanten usw.)zum sichtbaren Leuchten, was schon in Becquebels Phosphoroskop gut erkennbar ist.Orookes hat zur Beobachtung des durch Radiumsalze verursachten Phosphorescenzflimmernsein Gerät angegeben, das er Spinthariskop nennt. Es besteht aus einem kurzen Messing-rohr, das am einen Ende den Zinkblendeleuchtschirm und in 1 mm Entfernung davon eineSpur Radiumsalz, am andern Ende ein Okular trägt. Webstee hat dieses Gerät zur Ver-gleichung von Stoffen unter der Einwirkung von Radiumstrahlen so abgeändert, daßman vergleichende Messungen ausführen kann, und nennt diese Abänderung Luminiskop.Praktisch verwertet sind solche, das Auge übrigens stark angreifende Beobachtungen zurErkennung echter Diamanten. Nur diese zeigen unter der Einwirkung der Becqueeel-strahlen starke Phosphoreseenz; Glasflüsse, Bergkristail, Rubin, Saphir, Smaragd zeigen sienicht; den schwarzen Diamanten fehlt jedoch diese Eigenschaft gleichfalls. Die Strahlender radioaktiven Stoffe vermögen durch lichtdichtes Papier oder dünnes Aluminium hin-durch ihre photochemischen Wirkungen auf die photographische Platte usw. zu entfalten.Nach ihren Wirkungen kann man mit Sicherheit drei verschiedene Arten Radiumstrahlenunterscheiden, nämlich:

oc-Strahlen von geringem Durchdringungsvermögen und schwacher magnetischerAblenkbarkeit. Schon Seidenpapier absorbiert diese Strahlen und zeichnet sich ent-sprechend auf der photographischen Platte ab.

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