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Radium.
/?-Strahlen von mittlerem Durchdringungsvermögen. Sie lassen sich wie die Ka-thodenstrahlen vom Magneten ablenken und erteilen wie diese den von ihnen getroffenenKörpern negative elektrische Ladungen.
y-Strahlen von sehr starkem Durchdringungsvermögen. Selbst durch 12 mm dickeBleiplatten hindurch vermögen sie noch photochemisch zu wirken. Sie werden vom Mag-neten nicht abgelenkt.
ß- und y-Strahlen besitzen starke photochemische Wirkungen. Der Sehpurpur des Augeswird unter ihrer Einwirkung rasch zerstört. Lösungen von Jodoform in Chloroform, inBenzol, Schwefelkohlenstoff, Tetrachlorkohlenstoff, Amylalkohol, Äthylalkohol, Pyridin bleibenin einem lichtundurchlässigem Pappfutteral tagelang unverändert; bringt man aber wenigeMilligramm reines Radiumbromid in die Nähe, so tritt schon nach zehn Minuten Zersetzungdes Jodoforms unter entsprechender Färbung der Lösung ein. Neben dem Radium gibt esnoch andere „radioaktive" — d. h. Bbcqtterel strahlen aussendende Elemente: Uran, Tho-rium und Aktinium.
Die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen wird noch dadurch gesteigert, daß nichtallein die radioaktiven Stoffe selbst Strahlen aussenden, sondern vorübergehend auch alleKörper, mit denen sie selbst oder ihre Emanation in Berührung kommen. Aus der Ge-schwindigkeit, mit der diese „induzierte Aktivität" wieder verschwindet, läßt sich fest-stellen, durch welche primär aktive Substanz sie erregt worden war, was bei der Unter-suchung von Mineralwässern u. dgl. von Bedeutung ist (s. unten).
Die Erscheinungen der induzierten Aktivität werden hervorgerufen durch Berührungder neutralen Körper mit einer der drei bekannten Emanationen (derjenigen des Radiums,des Thoriums oder des Aktiniums), indem sich die Zersetzungsprodukte dieser Gase imfesten Zustande auf den exponierten Körpern ablagern.
Die Radium-Emanation wird durch Auspumpen erhitzter Radiumverbindungen imVakuum mit der Quecksilberluftpumpe gewonnen; sie ist ein Gas von beträchtlicherDichte, das fortdauernd sich aus Radiumsalzen entwickelt und löslich in Wasser ist. Siekann durch Abkühlen auf —-185° fest erhalten werden, besitzt dann jedoch noch bemerk-baren Dampfdruck. Kurz nach ihrer Gewinnung verdichtet sich die Emanation auf ein kleineresVolumen; dabei bildet sich nach Cameron und Ramsay aus dem einatomigen Gase Em!das zweiatomige Gas Em 2 . Dies Gas folgt bei gewöhnlicher Temperatur dem Gay-Lussac-schen Gesetze, über 80° wird das Gesetz nicht mehr erfüllt, es scheint eine Dissoziationeinzutreten; bei noch höherer Temperatur folgt dann wieder eine Kontraktion, die vorerstnicht zu erklären ist. Versuche, aus der Diffusionsgeschwindigkeit das Molekulargewichtzu bestimmen, verliefen nicht zufriedenstellend, doch konnte eine Dichtigkeit von etwa100 und daher ein Molekulargewicht von etwa 200 geschätzt werden. Mit der Veränderungihres Volumens verliert die Emanation an elektrischer Aktivität, sie zersetzt sich; ihreHallwertsperiode beträgt etwa 3,8 Tage. Beim freiwilligen Zerfall der Radiumemanationbildet sich merkwürdigerweise Helium, daneben radiumähnliche Stoffe, die man als Ra-dium A, B, O. .. bezeichnet hat. Auch diese besitzen beschränkte Lebensdauer; unterihnen ist von besonderem Interesse das Radium F; dieses ist nämlich identisch mit demPolonium, das gleichzeitig mit dem Radium selbst unmittelbar aus der Pechblende extrahiertworden war. Die Radiumemanation zersetzt Wasser in seine Elemente, jedoch unterBildung eines Überschusses von Wasserstoff; anderseits vereinigen Wasserstoff und Sauer-stoff unter der Einwirkung der Emanation sich zu Wasser, es liegt also ein umkehrbarerProzeß vor. Auch Radiumbrornid entwickelt aus Wasser ein Gas, das nach Bodländek12 Proz. Sauerstoff und 88 Proz. Wasserstoff enthält. Ramsay und Soddy fanden darin29,8—70,2 Proz. Wasserstoff, also stets mehr, als Wasser enthält; die höchsten Werte er-gaben sich, wenn die Gasproben vor der Messung über Nacht mit Quecksilber in Berührung-geblieben waren. Dieser Wasserstoff enthielt Helium, und, zwar mehr oder weniger, jenach der Beschaffenheit der bei den Versuchen verwendeten Glaskapillaren. Die Emanationfärbte unter hohem Drucke Glas braun, eine englische Quarzglasröhrc dunkelblau, währendQuarzglas von Heraus ungefärbt blieb. Dabei ist die Adsorption aller Gase, mit Ausnahme