Digitalis.
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In den Handel gelangen so getrocknete und auf einen bestimmten physiologischenWirkungswert eingestellte Blätter in folgenden Formen:
a) Tabletten. Glasröhren mit je 10 Tabletten, von denen jede einen Eßlöffel volleines wirksamen Digitalisinfuses mit angegebenem Wirkungswerte entspricht. Die Tablettensind mit einem besonderen, konservierenden Überzuge versehen, durch den ihre Lösliohkeitkeine Einbuße erleidet. Ferner gelangen Tabletten ä 1 g Digitalisblätterpulver ohne Zusatzin den Handel, die es ermöglichen, Medikamente nach irgendeiner Vorschrift des Arztes her-zustellen. (Chr. Brunjjengräber in Rostock.)
b) Folia Digitalis titrat. pulv. (V = 5,0; s. S. 256) in Originalglasverpackung.(Caesar & Loretz in Halle.)
c) Folia Digitalis concisa und pulverata mit einem stets gleichen Wirkungswertevon 0,04 g Droge auf 100 g Froschgewicht, de3gl. eine Tinctura Digitalis mit einem Giftwertevon 0,4 g Tinktur auf 100 g Froschgewischt. (Sikbert & ZtEGEXBEix in Marburg.)
Von allen Digitalismedikamenten kommt unstreitig dem Infusum und der in Pulver-form genommenen Droge die beste Wirksamkeit zu, weit weniger der Tinktur und demExtrakte, deren Wirkungen leicht größeren Schwankungen unterworfen sind. Der Über-gang des wasserunlöslichen Digitoxins in den wässerigen Aufguß der Blätter soll (nachCloetta) durch das leicht lösliche Digitoniu, welches zu ersterem Körper in engen Be-ziehungen steht, bewirkt werden.
Nach Löwy (1906) verliert ein Digitalisaufguß bei Zimmerwärme im Laufe von24 Stunden die Hälfte seiner Wirksamkeit. Diesen Rückgang veranlaßt angeblich eineorganische Säure, deren ungünstige Wirkung aber meist durch Neutralisation beseitigtwerden kann. Demnach ist eine Herstellung des Digitalisaufgusses im Vorrat zu verwerfenund nur der frisch bereitete, möglichst neutralisierte Aufguß zu verwenden. NachBrase hat sich Digitalis bei Behandlung von Variceu bewährt; man wendet hierbei dasInfus 0,1—0,2:20,0 in Form cutaner und subcutaner Injektionen an. Ferner hatBbagagnola sehr günstige Resultate mit hohen Dosen von Digitalis (4 g pro die als In-fusum) bei Pneumonie erzielt und schreibt diese einer autitoxischen Einwirkung derDigitalis auf die Stoffwechselprodukte des FRÄNKRLSchen Bazillus zu, welche vermut-lich so hohe Dosen erträglich macht. Dauby warnt vor Verabreichung von Digitalis beiallen Patienten, bei denen feine atheromatöse Degeneration der Blutgefäße wahrgenommenwerden kann, und bei solchen, die an einer Verletzung der Gehirnarterien leiden oder diedas Vorhandensein einer Endocarditis verrucosa erkennen lassen; er führt zwei plötzlicheTodesfälle darauf zurück.
Mit Digitalispräparaten unverträglich, aus physiologischen Gründen, sindAntipyrin, Belladonna, Opium, Chinin, Jodpräparate und Nitroglycerin.
Forensische Ermittelung der Digitalisgifte. Bei mutmaßlichen Vergiftungs-fällen durch Digitalis sind die Nachforschungen in erster Linie auf Digitoxin zu richten,da dieses von allen wirksamen Bestandteilen in größerer Menge anwesend und am leichte-sten erkennbar ist. Zur Isolierung des Digitoxins läßt sich folgender Weg einschlagen:
Das Untersuchungsobjekt wird je nachdem zerkleinert," innig gemischt und auf demWasserbade zur Trockene verdampft. Der Rückstand wird zweimal mit warmem 70proz.Alkohol erschöpft, von dem filtrierten alkoholischen Auszuge der Alkohol abdestilliert, derwässerige Rückstand bis zur Hälfte seines Volumens eingedampft und nach dem Erkaltenmit schwacher Bleizuckerlösung —■ bis sich keine Trübung mehr zeigt —■ versetzt. Manfiltriert von neuem, fällt das überschüssige Blei mit Natriumsulfat, macht das Filtrat hier-von mit Ammoniak deutlich alkalisch und schüttelt mit Chloroform aus.
Bleibt nach dem Abdunsten des Chloroforms ein Rückstand, so ist mit diesem nachseiner Reinigung die KELLERSche Digitoxin-Reaktion (Bd. I S. 1038) auszuführen, wobeieine stark verdünnte Eisenchloridlösung (1 : 500 Eisessig) als Reagens zu verwenden ist. Dievorhergehende Reinigung des Chloroformrückstandes geschieht durch Wiederauflösen in Chloro-form, Ausfällen des Digitoxins mit einer Mischung aus 1 Teil Äthyläther und 7 T. Petrol-äther, Ab.Hltrieren des flockigen Niederschlages, Lösen desselben in Alkohol, Verdampfen desletzteren und schließlich Extraktion des alkoholischen Rückstandes durch Äther. Nach Ver-dampfung des Äthers muß das Digitoxin in ziemlich reiner Form als Rückstand verbleiben.
II. Digitalis grandiflora Link. Diese gelb blühende, in der Schweiz besondershäufig vorkommende Digitalisart soll in ihrer Wirkung auf das Herz der D. purpurea