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Erg.Bd. (1908)
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Digitalis.

Da somit die chemische Prüfung vorläufig keine sicheren Anhaltspunkte gibt, istman zur physiologischen Wertbestimmung übergegangen. Diese bietet mehr Sicherheit,

aber auch mehr Schwierigkeiten inder Ausführung, die Übung- und Zeiterfordert. Einige Drogengroßkand-lungen haben es daher unternom-men, solche physiologisch eingestellteDigitalisblätter (in Pulverform) vonbestimmtem, gleichbleibendem Wir-kungswerte herzustellen, so daß dieDroge in dieser Form jederzeit imHandel zu haben ist.

Da die Verwendung physiolo-gisch eingestellter Blätter noch nichtoffiziell vorgeschrieben ist und sichdaher zunächst wohl noch nicht all-gemein einbürgern dürfte, so kommtAlpeks zur Aufstellung folgender be-herzigenswerter Grundregeln, derenBefolgung' bei dein hohen Heilvverteder Digitalisdroge jedem Apothekereine Pflicht sein sollte:

Fig. 52. Deckhaarvon Verbascum.

Fig. 53. Deckhaare bzw. derenFußteile mit angrenzendem Haar-schafte und Drüsenhaare von Inu-la Conyza. (Rechts unten einDrüsenhaar von I. Helenium.)

1. Der Vorrat an Folia Digita-lis ist, wie schon allgemein üblich,alljährlich zu erneuern. Am zweck-mäßigsten bezieht man die Blätter von einem Spezialhause kurz nach der Ernte, oder mansammelt sie selbst ein.

2. Die Blätter sind alsbald in geeigneter Weise, am leichtesten wohl im Trocken-schranke bei ca. 5060° so weit wie möglich zu trocknen und dann in luftdicht schließendeGefäße einzufüllen. Auf den Boden der letzteren legt man Blechschachteln mit durchlöchertemDeckel, die mit Ätzkalkstückchen gefüllt sind.

3. Das in der Offizin vorrätig gehaltene feine Pulver für Pillen, Pulver, Infusa usw.wird hier nur in kleinen Mengen, die in kurzer Zeit verbraucht werden, in die Aufbewah-rungsgefäße gefüllt. Zu letzteren dürften sich am besten Gläser mit gut schließendemStopfen eignen. Besser wird auch in diese Aufbewahrungsgefäße in geeigneter Weise einwerne Ätzkalk gebracht, um das Anziehen von Feuchtigkeit zu verhindern.

4. Die sorgfältige Konservierung der Blätter und eine gewissenhafte Zubereitung derInfusa ist vorläufig wichtiger, oder doch ebenso wichtig als die mit vielen Schwierigkeitenverknüpfte chemische und physiologische Kontrolle des Wirkungswertes.

Einsammlung, Aufbewahrung, Wirkung und Anwendung. Die außer-ordentliche Verschiedenheit in der Wirksamkeit der Fol. Digitalis wird bedingt durch derenStandort, die Einsammlungszeit und die Art und Durchführung der Austrocknung undAufbewahrung. Der Standort spielt (nach Caesar und Loeetz) je nach der Boden-beschaffenheit und Höhenlage eine gewisse Kolle, für die Einsammlungszeit sind dieEntwicklungsstadien der Pflanze und die Witterungsverhältnisse von Bedeutung und fürdie Erhaltung des Wirkungswertes ist das völlige, unmittelbar nach der Einsamm-lung vorgenommene Austrocknen der Droge und die dauernd trockene Aufbewahrung aus-schlaggebend. Als erwiesen gilt, daß feuchte Blätter bei Licht- und Luftzutritt sehr baldin ihrer Wirkung zurückgehen, während ein bis auf etwa l J / 2 Proz. Feuchtigkeitsgehaltin geeigneter Weise ausgetrocknetes Digitalispulver in Glasverpackung selbst mehrereJahre hindurch seinen ursprünglichen Wirkungswert behält. Die Firma Chr. Brunnen-geäber z. B. läßt die Blätter von der wildwachsenden Pflanze an regenfreien Tagensammeln, säubern und innerhalb weniger Stunden im Vakuum bei bestimmter Temperaturschnell trocknen, wodurch verhindert werden soll, daß die in der Droge vorhandenen Fer-mente ihre zersetzende Kraft auf die Glukoside ausüben.