Digitalis.
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1904) kommt unter der Bezeichnung Digalen ein Präparat in den Handel, dass ein nachbesonderem Verfahren gewonnenes Digitoxinum solubile (wasserlöslich, nach Petit mit10 Proz. Alkohol) darstellen soll. Cloetta schreibt ihm die Formel C 14 H 23 0 5 , also die Hälfteder früheren, jetzt verlassenen Bruttoformel des Digitoxins (C 28 H 46 0 10 ) zu. Daß Digalenidentisch mit Digitoxin bzw. Digalen = 1 / 2 Digitoxin ist, bestreitet aber Kiliani (1907); erhält den weißen amorphen Körper, den man mit Digalen bezeichnet, lediglich für ein hoch-prozentiges Digital ein (vgl. weiter unten), wie es von Kiliani und Windhaus schon früherdargestellt wurde. Dieses Digitalein, dessen einheitliche kristallinische Darstellung bishernicht gelang, darf zwar als in chemischer Beziehung dem Digitoxin nahe verwandt an-genommen werden und steht in der Pflanze selbst mit diesem vielleicht auch in genetischemZusammenhange, jedenfalls aber nicht in der Art, daß es bezüglich seiner Zusammensetzungdie Hälfte des Digitoxins ist.
Das zweite wohlcharakterisierte Glukosid ist das Digitalin C 36 H 6S 0 14 , welches inWasser und Chloroform unlöslich, dagegen löslich in Alkohol ist. Es gilt gewöhnlich alsamorpher Körper und spaltet sich in Digitaligenin (C 22 H 30 0 3 oder C 23 H 32 0 3 ), Digitalose(eine Zuckerart) C 7 H 14 0 6 und d-Glucose. Das dritte Glukosid ist das Digitonin,welchem nach neueren Untersuchungen die Formel C 54 H 92 0 28 zukommt. Es ist kristal-linisch (neuerdings bat man auch amorphes gefunden — siehe unten), löst sich in Wasserund spaltet sich in Digitogenin C 30 H 48 O 6 , Dextrose und Galaktose. Einen vierten, inWasser leicht löslichen Körper, dem eine selbständige Wirkung als Herzgift eigen seinsoll, haben Kiliaki und Windaus in dem von Mekok in den Handel gebrachten Digita-lein (Schmiedebeeg) nachgewiesen, welches demnach als ein Gemenge aufzufassen ist.Nachzutragen sind noch die neueren Untersuchungserg-ebnisse Cloettas. Er fand Digitalinnur in Spuren in den Blättern der Digitalis. In dem Digitalein (Schmiedebeeg) wiesCloetta amorphes und kristallinisches Digitonin nach, ein erneuter Beweis dafür, daßersteres kein einheitlicher Stoff ist.
Auch das von Mekok in den Handel gebrachte Digitalinum germanicum istnach Cloetta keine einheitliche Substanz; er fand darin kristallisiertes Digitonin,welches vielfach mit dem v von Kiliani beschriebenen Digitonin übereinstimmt, dessenweitere Untersuchung aber zeigte, daß Kiliani kein reines Präparat in Händen hatte. Daskristallisierte Digitonin hat die Formel C 28 H 47 0 14 -f- H 2 0, unterscheidet sich also von demKiLiANischen (C 27 H 46 0 14 -j-5H 2 0) durch ein Plus von CH. Dieser Unterschied rührt nachCloetta von der Gegenwart eines amorphen Digitonins her, welches sich im Digitalinumgermanicum zu etwa 15—20 Proz. vorfindet und dem die Formel C 27 H 46 0 14 bzw. C 54 H 92 0 28(nach neueren Untersuchungen gewinnt die letztere an Wahrscheinlichkeit) zukommt. BeideDigitonine sind in den Blättern der Digitalis enthalten und stehen sich in pharmakologi-scher Beziehung sehr nahe.
Cloetta schließt sich — im Gegensätze zu Kiliani — der Ansicht Kellers an, daßzwischen Blättern und Samen der Digitalis bezüglich ihrer qualitativen Zusammensetzungder wirksamen Inhaltstoffe keine tiefgreifenden Unterschiede bestehen. Es enthalten alsoSamen sowohl wie Blätter die drei Glukoside Digitoxin, Digitalin und Digitonin, nurherrscht in ersteren das Digitalin, in letzteren das Digitoxin vor.
Über die Wirkung der einzelnen Digitalisbestandteile (Bd. I S. 1027—1036)äußerte sich Baedet auf Grund seiner Erfahrungen kürzlich (1907) wie folgt: Das vonNativelle isolierte kristallisierte Digitalin ist ein wohldefinierter, leicht charakteri-sierbarer und leicht dosierbarer Stoff, der alle Wirkungen der Droge aufweist. Dieamorphen Digitaline sind dagegen von äußerst schwankender Wirkung. Digitaleinsteht dem Digitalin an Wirkung nach; das im Handel befindliche ist auch nicht immerrein. Die deutschen Digitoxine entsprechen in reinem Zustande dem kristallisiertenDigitalin, sind aber infolge der häufig unbestimmten Zusammensetzung von schwankenderWirkung. Digitalinum verum ist gleichbedeutend mit dem französischen Digitalen.Das neuerdings in den Handel gebrachte Digalen bezeichnet Baedet lediglich als eineSpezialität, die keine besonderen Eigenschaften besitzt und daher als neues Prinzip nichtHandb. d. pharm. Praxis. Ergänzungsband. 17