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Bacteriologica.
Neuanlage von Brunnen sind bakteriologische Untersuchungen erst einige Zeit nach Fertig-stellung der Wasserfassung auszuführen. Die Untersuchung selbst bewegt sich nach zweiRichtungen: a) Feststellung von Zahl und eventuell Art der im Wasser befindlichen ent-wicklungsfähigen Keime durch Gelatine-Plattenkultur und b) Nachweis von Bacterium coliund damit einer Fäkalverunreinigung des Wassers nach Eykmasn.
a) Die Zahl der Keime wird durch Plattenkultur festgestellt. Um einer Vermehrungder Keime während der Zeit zwischen Entnahme der Wasserprobe und Anfertigung derPlatten vorzubeugen, müssen die Wasserproben während dieser Zeit in Eis gekühlt aufbewahrtwerden. Man verwendet zur Kultur die unter I, 3 beschriebene Fleischextrakt-Peptongelatineund verfährt folgendermaßen: In das die bei 37° verflüssigte sterile Nährgelatine enthaltendeRöhrchen läßt man 1 ccm des mit steriler Pipette entnommenen Wassers fließen, setzt dengelüfteten Stopfen wieder auf, mischt den Inhalt des Röhrchens durch Drehen und lang-sames Auf- und Abneigen unter Vermeidung von Bläschenbildung. Dadurch werden die imWasser enthaltenen Keime in der Mischung sorgfältig verteilt. Ein zweites Röhrchen Nähr-gelatine wird zur Kontrolle mit 0,5 ccm des zu untersuchenden Wassers ebenso beschickt.Vermutet man zahlreiche Keime in dem zu untersuchenden Wasser, so mischt man noch je1 ccm desselben mit 10 und mit 100 ccm sterilen Wassers und verwendet diese Mischungenzur Anlage von Kulturen. In jedem Falle sollen durch den festen Gelatinenährboden dieKeime getrennt zur Entwicklung gebracht und die am Orte ihrer Entstehung fixierten Kolo-nien nach 48 stündiger Entwicklung bei 22° gezählt werden. Zu diesem Zwecke sterilisiertman den Rand des die Nährmischung enthaltenden Reagierglases durch Erhitzen, läßt ihnerkalten und gießt dann die noch flüssige Gelatinewassermischung auf eine von unten mitEis gekühlte sterile Kulturplatte von Glas, die genau wagerecht eingestellt ist. Die Gelatinewird mit Hilfe eines sterilen Glasstabes gleichmäßig verteilt, so daß sie eine regelmäßige,rechteckige Fläche bildet, deren Rand überall noch ungefähr 1 cm vom Plattenrande absteht.Nach dem Erstarren der Gelatine überträgt man die Platte in eine feuchte Kammer undhält diese im Thermostaten auf 22°. In gleicher Weise wird mit der Kontrollmischung undden Mischungen mit verdünntem Wasser verfahren. Auf einer wohlgelungenen Platte sollensich die aus den einzelnen Keimen entstandenen Kulturen zählen und jede einzelne Kulturin ihrer Eigenart betrachten lassen, auch soll man von jeder einzelnen Kultur zur weiterenPrüfung abimpfen können. Die Zählung geschieht mit Hilfe einer Lupe über einer die Orien-tierung erleichternden Netzteilung. Die Zahl der Keime wird stets für einen KubikzentimeterWasser angegeben. Bisweilen zählt man außerdem noch die Summe der die Gelatine ver-flüssigenden Keime. Die Feststellung der Keimzahl hat Wert bei der Beurteilung filtriertenOberflächenwassers, weil sie ein Zeichen für das ordnungsmäßige Arbeiten der Filter ist.Das Wasser soll in diesem Falle nicht mehr als 100 Keime im Kubikzentimeter enthalten.Grundwasser aus Quellen oder Tiefbrunnen muß frei oder fast frei von Keimen sein. Zweck-los ist die Keimzählung bei den gewöhnlichen flachen Kesselbrunnen, weil bei diesen Ge-legenheit zur Bakterienvermehrung gegeben ist. Leider kann man mit Hilfe des Gelatine-verfahrens nicht die bedenklichen von den harmlosen Bakterienkeimen in praktisch verwend-barer Weise unterscheiden. Dieses Ziel strebt das folgende Verfahren an.
b) Der Nachweis von Bacterium coli beruht darauf, daß das typische Bacteriumcoli der Warmblüter auch bei 46° gedeihen kann und in zuckerhaltigen Nährlösungen Gärunghervorruft, was bei keinem anderen harmlosen Wasserkeime gefunden worden ist. Zur Aus-führung eines Versuches benutzt man einen sterilisierten Gärkolben, in den mit den üblichenVorsichtsmaßregeln 100 ccm des zu untersuchenden Wassers und 12,5 ccm einer sterilen Lösungvon 10 Proz. Pepton, 10 Proz. Traubenzucker, 5 Proz. Natriumchlorid in Wasser gefüllt werden.Der Kolben wird aseptisch verschlossen und bei 46° aufbewahrt. Ist Bacterium coli com-mune vorhanden, so vermehrt es sich und verzehrt die Glucose unter Bildung von Kohlen-dioxyd, das leicht mit Barytwasser nachgewiesen werden kann. Bei reinen Wässern sowieauch bei einem ozonisierten Fleischwasser flel diese Gärprobe negativ aus, und die Flüssig-keit blieb klar; verunreinigte Wässer trübten sich und ließen Gärung erkennen.
PyOCyanase wird das bakteriolytische Enzym von Kulturen des Bacillus pyocya-neus (Bacillus des blauen Eiters) genannt. Eine bakterienfreie, konzentrierte Lösung des-selben wird erhalten, wenn man die abgelaufene, etwa drei Wochen alte Kultur des Ba-zillus durch Berkefeldfilter filtriert und das Filtrat im Vakuum auf 1 / 10 seines Volumenskonzentriert. Gemeinschaftlich mit 0. Low hat Emmebich gefunden, daß eine so gewon-nene Pyocyanaselösung nicht nur die Zellen des Bacillus pyocyaneus, sondern auch Diph-theriebazillen, Cholera-, Typhus-, Pest- und Milzbrandbazillen, sowie die Strepto-, Staphylo-und Gonokokken abtötet und auflöst, und zwar große Mengen dieser Bakterien in sehrkurzer Zeit. Tuberkelbazillen dagegen, welche eine sehr fett- und zellulosereiche Membranbesitzen, und viele Saprophyten, wie z. B. die Heubazillen, werden durch die Pyocyanasenicht aufgelöst und auch nicht abgetötet. Die Gruppe der durch Pyocyanase auflösbaren,
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