Abrus.
(Zu Bd.I S. 1.)
Zwei aus den Samen von Abrus precatorius L. hergestellte Präparate — Jequi-ritol und Jequiritolserum — hat P. Römeb in die Augenheilkunde eingeführt. DasWesen der neuen Jequirity-Therapie besteht darin, daß unter der Wirkung des Jequiritolseine Entzündung der Bindehaut (Conjunctiva) mit seröser Durchtränkung der Hornhaut(Cornea) eintritt, die bei ihrer Rückbildung zur Aufsaugung der Trübungen führt.
JßqUiritOI ist ein unter besonderen Vorsichtsmaßregeln (von B. Mekck) hergestelltesAbrinpräparat (Abrin ist der stark giftige, wirksame Bestandteil der Jequiritysamen undals ein zu den Toxalbuminen gehöriges Agglutinin zu bezeichnen), welches in vier be-stimmten Stärken mit stets sieh gleichbleibendem physiologischem Wirkungswerte in denHandel gebracht wird, wodurch im Gegensatz zu dem reinen Abrin und dem Jequirity-Aufgußeine gefahrlosere Anwendung in der Praxis ermöglicht wird. Jequiritol I dient dazu, dietherapeutische Anfangsgabe zu bestimmen. Zu diesem Zwecke werden ein oder mehrereTropfen in das Auge geträufelt; tritt danach noch keine Entzündung auf, so wird nach24 Stunden Jequiritol II eingetropft usf., bis die erste Entzündung einsetzt. Nach demAbklingen der ersten Entzündungen werden wieder stärkere Gaben verwendet, bis daserstrebte Ziel erreicht ist.
Jequiritolserum ist ein nach BEHRiNGSchem Prinzip (ebenfalls von E. Mekck)hergestelltes Heilserum (ähnlich dem früher von Ehelich dargestellten Abrinserum),welches die Wirkung des Jequiritols im menschlichen Körper schnell und sicher zu para-lysieren vermag, und zwar sowohl bei lokaler Anwendung (im Conjunctivalsack), als auchbei subkutaner Injektion. Wenn also die durch Jequiritol erzeugte Entzündung zu starkauftritt, so wird Jequiritolserum auf die entzündete Bindehaut geträufelt, wodurch einrasches Zurückgehen der Entzündung bewirkt wird.
Von dem Giftstoff Abrin wußte man bereits, daß er, unter die Haut gebracht,wirkt, im Magen aber nicht, weil Säure in Verbindung mit Wärme ihn zerstörensollte. Neuere Forschungen haben ergeben, daß Abrin bei Einführung durch den Mundetwa 2000mal schwächer wirkt als bei subkutaner Injektion, daß diese Abschwächung abernur in geringem Maße durch die Verdauungsfermente bewirkt wird und ebensowenigmangelhafter Resorption zuzuschreiben ist; vielmehr muß angenommen werden, daß diesesGift im Darmkanal in ein Toxoid umgewandelt und als solches in unschädlicher Formresorbiert wird.
Abuhab.
Cortex Abuhab Cahoy und Cortex Abuhab Baguin. Diese beiden Binden
werden von den Negritos auf Luzon, zugleich mit der Rabelaisia philippinensis, zurBereitung von Pfeilgift gebraucht. Die Abuhab Baguin genannte Rinde ist nicht giftig undscheint dem Extrakte nur zugesetzt zu werden, wenn es sich um rasche Darstellung desGiftes handelt, weil sich durch deren Zusatz auf dem Dekokte augenblicklich ein Coagulumansammelt, das sofort auf die Pfeilspitzen gestrichen wird.
Handb. d. pharm. Praxis. Ergänzungsband.