Druckschrift 
2 (1902)
Entstehung
Seite
1061
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Trochisci.

1061

sie dann, zwischen Papierblätter gelegt, in die Vorrathskästen. Wenn das Pulver hin-länglich mit dem verdünnten Weingeist angefeuchtet worden war, so haben die Pastillenauch so viel Bindekraft, dass sie oberflächlich zwar etwas Pulver abgehen, aber doch ihrePastillenform nicht merklich ändern. Halten die Pastillen nicht genügend zusammen, sowar die Befeuchtung mit verdünntem Weingeist nicht hinreichend.

In dieser Weise werden gewöhnlich solche Pastillen dargestellt, welche keine starkwirkenden Stoffe enthalten, z. B. Pastillen mit Natriumbikarbonat, mit Magnesiumkar-bonat u. dergl.

Bei der Herstellung von Pastillen aus Brausepulvermischungen darf die Pulvermischung nicht mit verdünntem Weingeist angefeuchtet werden, sondern man muss 95 volum-procentigen Weingeist benutzen, und bei diesen Pastillen erhält man hinreichend feste und.zusammenhaltende Pastillen nur dann, wenn man die Pulvermischung einem hinreichendstarken Drucke mittels des Pastillenstechers aussetzt.

3) Pastillen aus Zuckermischungen mit Traganthschleim. Zur Darstel-lung dieser Pastillen mischt man die Arzneistofie mit feinem Zuckerpulver und stö'sst dieMischung mit dünnem Traganthschleim zu einem derben Teige an. Auf 1000 Th. Arzneistoff-Zuckermischung benutzt man 3,05,010,0 Th. Traganth nebst der erforderlichen MengeWasser. Je mehr Traganth angewendet wird, desto leichter ist die Herstellung derPastillen, aber desto härter fallen die Pastillen auch aus. Bei zu grossem Traganthgehaltkönnen die Pastillen so hart werden, dass sie sich kaum zerbeissen lassen. Man stösstalso einen derben Teig an, rollt diesen auf einem Rollbrett mit der Rollwalze (Nudel-walze) zu einem an allen Stellen gleichmässigen Kuchen aus. Die Dicke des letzterenbestimmt man durch Holzleisten, welche rechts und links von der Teigmasse auf das Roll-brett gelegt werden, und welche die Führung für die Rollwalze darstellen. Das Rollbrettund die Walze, auch die Pinger, stäubt man mit einer Mischung von gleichen TheilenPuderzucker und Kartoffelstärke ein, reibt sie wohl auch mit Talcum venetum ab. Ausdem so hergestellten Kuchen sticht man mit dem Pastillenstecher die Pastillen aus, setztsie auf sauberes Papier und trocknet sie an einem warmen Orte aus.

Diese Traganthmassen haben soviel Bindekraft, dass sie sich sehr leicht und schnellmittels des Pastillenstechers ausstechen lassen, und dass auch Schriftzeicheu und Verzie-rungen auf den Pastillen mit Leichtigkeit und Schärfe wiedergegeben werden. Nach demTrocknen sind die Pastillen so widerstandsfähig, dass sie längere Aufbewahrung und Trans-port vertragen ohne abzubröckeln. Nach dieser Vorschrift werden die meisten der imHandel befindlichen Pastillen, nämlich solche mit: Qnellsalzen, Phenacetin, Sulfonal, auchdie grossen englischen Pfefferminzpastillen dargestellt.

4) Pastillen aus Chokolademasse. Diese können auf kaltem oder warmemWege bereitet werden, a) Auf kaltem Wege. Man mischt den Arzneistoff mit Zucker-pulver, fügt ein dem Zuckerpulver gleiches Gewicht entöltes Kakaopulver zu, stösst mitverdünntem Weingeist zu einem feuchten Pulver an und bereitet aus diesem nach 2durch Komprimiren mit dem Pastillenstecher Pastillen. Diese Pastillen sehen niemals schönaus, sie sind hellbräunlieh und die Oberfläche sieht marmorirt aus. b) Auf warmemWege. Man verreibt den Arzneistoff mit feinstem, gut getrockneten (!) Zuckerpulver,giebt ein gleiches Gewicht beste Kakaomasse (Gnajaquill-Kakao) dazu und stellt durchReiben und Mischen unter.Erwärmen eine Chokoladenmasse dar. Diese wägt man aus;die den einzelnen Pastillen entsprechenden Mengen der Masse rollt man noch warm raschzu Kugeln, setzt diese auf ein schwach mit Kakaofett abgeriebenes kaltes Blech undlässt die Kugeln durch Aufschlagen des Bleches auf eine Unterlage zu Kugelabschnittenauseinander laufen, welche man nach völligem Erkalten (24 Stunden) von dem Bleche ab-stösst. Schöne Chokoladenpastillen erhält man auch durch Eindrücken und Einschlagender warmen Chokoladenmasse in polirte Metallformen.

Die Herstellung von schönen Chokoladenpastillen wird im pharmaceutischen Labo-ratorium im allgemeinen nicht gelingen; man wird vielmehr diese Pastillen zweckmässigaus einem Special-Laboratorium oder einer Fabrik beziehen. Sollte man einmal gezwungen