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Suppositoria.
Das Einfüllen geschieht, indem man den Arzneistoff entweder mit der geschmolzenenGrundmasse 1. a. vermengt und die halb erkaltete Mischung wie bei der Schmelzmethodein die Kapseln resp. Hohlsuppositorien giesst, oder indem man das Medikament auf kaltemWege mit Schweinefett oder Kakaobutter etc. verreibt und die zuvor genau abgetbeilteMischung in obige Hohlformen stopft. Letztere werden hierauf mit entsprechenden Deckeln(die Gelatinekapseln mit gut schliessenden Gelatinedeckeln oder wie die Kakaobutter-Hohl'suppositorien mit Fettdeckeln aus Kakaobutter) versehen; die Fettdeckel werden schliesslichmittels eines warmen Messers dicht zugeschmolzen.
Wenn auch diese Methode manche praktische Vortheile bietet, infolge ihrer grossenBequemlichkeit vielerorts sehr beliebt ist und sich ganz besonders als rationelles Mittelzur Glycerinapplikation empfiehlt, so muss doch vor deren allgemeiner Verwendung g' e 'warnt werden, indem bei diesem Verfahren einerseits ein unnöthig grosses Quantum desMenstruums eingeführt wird, das zunächst die Schleimhäute umhüllt und infolge dessendie Wirkung des Medikamentes verzögert, anderseits sich unter Umständen eine allz' 1plötzlich eintretende lokale Wirkung des Arzneistoffes entfalten könnte. Dies kommtnamentlich dann in Betracht, wenn ein stark wirkendes unverinischtes, oder mit eine)'ungenügenden Menge der Grundmasse vermischtes Mittel zugegen ist. Die Ph. Germ. I»gestattet nur dann ein Einfüllen von unvermischten stark wirkenden oder festen Arznei-stoffen in Hohlzäpfchen, wenn es ausdrücklich vorgeschrieben ist, lässt also in allen anderenFällen die Verwendung von Hohlzäpfchen stillschweigend zu, während nach der Ph. Helv. H»Hohlsuppositorien überhaupt nicht verwendet werden dürfen, wenn der Arzt es nichtausdrücklich vorschreibt.
Weitaus das zweckmässigste, rationellste und bei fast allen Medikamenten — aussei'Glycerin — anwendbare Verfahren zur Herstellung von Suppositorien ist zu erblicken in der
III. Methode auf kaltem Wege. Sowohl Stuhlzäpfchen und Vaginalkugeln, '^auch Bougies wurden schon in früheren Zeiten durch Anstossen einer bei Körpertemperaturschmelzenden Substanz mit dem betreffenden Medikament zu einer knetbaren Masse undnachheriges Modelliren zu der gewünschten Form augefertigt, und diese Darstellungsweisehat sich eigentümlicher Weise neben anderen inzwischen aufgetauchten, viel geeignetere"Verfahren an manchen Orten bis auf den heutigen Tag erhalten.
Die zerkleinerte Grundmasse (Talg, Kakaobutter etc.) wird mit oder ohne Bei'mischung von medikamentösen Zusätzen unter Zuhilfenahme von etwas fettem Oel rmPillenmörser angestossen, zwischen Filtrirpapier ausgerollt und in kurze Stücke abgetheih,diese werden hierauf entweder mit geeigneten Brettchen oder mit den Fingern zu Zäpfchen,Kugeln oder Stäbchen geformt. Behufs leichteren Mischens mit dem Medikamente undbequemeren Verarbeitens der Masse wird die Fettsubstanz vielerorts geschmolzen undwährend des Erkaltens mit der betreffenden Arzneisubstanz vermengt.
Es ist einleuchtend, dass dieses Verfahren bezüglich der Sauberkeit nicht ganz ein-wandfrei ist, und dass bei demselben nur die geschickte Hand eines gewandten Receptarsim Stande ist, ein einigermassen ansehnliches Präparat hervorzubringen; in den meistenFällen werden die auf diese primitive Weise hergestellten Suppositorien ein dem heutigenStande der pharmaceutischen Technik nicht entsprechendes Produkt repräsentiren.
In den achtziger Jahren erfuhr die Methode auf kaltem Wege durch die sinnreichenKuiiMEE'schen Suppositorien- und Vaginalkugelpressen von E. A. LENTZ-Berlin(Bd. I, S. 529, Fig. 128 u. 129), sowie durch die Bougiepresse nach Kummeb 1 ) eine tief-greifende Umgestaltung, indem diese Konstruktionen eine genaue Dosirung der Arznei-substanzen und ein inniges, vollkommen gleichmässiges Mischen derselben mit der Grund-masse ermöglichen, und weil ferner dabei jede unliebsame Veränderung der Arzneistoffevermieden wird.
Die medikamentösen Stoffe werden entweder direkt oder nach vorausgegangenerVerreibung mit einem indifferenten Pulver, z. B. Amylum, Saccharum Lactis, Talcum, mitgeraspelter oder gepulverter Kakaobutter (wozu sich auch die käufliche Fadenform eignet)ohne Druckanwendung in der Reibschale gemischt; hierauf theilt man das gemischte, für
l ) In Bd. I, S. 529 ist unter Fig. 129 eine „Presse für Suppositorien und für Vaginal-kugeln von E. A. LENTZ-Berlin" beschrieben. Wir stellen diese Angabe dahin richtig, dassdies die KmuMEB'sche Suppositorienpresse ist, welche von E. A. LENTZ-Berlin in den Ver-kehr gebracht wird. Der Irrthum fällt der Rodaktion dieses Handbuches zur Last.