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1 (1900)
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Fei.

thümlioh, aber nicht widerlich oder faulig riechende Flüssigkeit von sehr bitterem, un-angenehmem Geschmacke, von neutraler oder schwach alkalischer Eeaktion. Mit Wassergeschüttelt, schäumt sie seifenartig. Das spec. Gewicht ist bei 15° C. = 1,0181,028.Löst man eine ganz kleine Menge Galle in einem Porcellanschälchen direkt in wenigkonc. Schwefelsäure und erwärmt, oder mischt man ein wenig- gallensäurehaltige Flüssigkeitmit konc. Schwefelsäure mit der Vorsicht, dass in beiden Fällen die Temperatur nicht über70° C. steigt, und fügt dann unter Umrühren mit einem Glasstabe tropfenweise Rohrzucker-lösung von 10 Proc. hinzu, so erhält man eine prachtvoll rothe Flüssigkeit, deren Farbebei Zimmertemperatur nicht verschwindet, aber im Verlaufe eines Tages mehr blauviolettwird. Die rothe Flüssigkeit zeigt vor dem Spektroskop zwei Absorptionsstreifen, deneinen bei F und den anderen zwischen D und E, neben E (Pettknkofeb's Gallensäure-Reaktion). Da diese Reaktion auf die Bildung von Furfurol durch Einwirkung derSchwefelsäure auf Zucker beruht, so kann man sie nach Mtlius und Udeanszky auch mit\"\ m Furfurollösung ausführen. Zu je 1 cem der alkoholischen Gallenlösung setzt man1 Tropfen l°/ 00 Furfurollösung und 1 cem konc. Schwefelsäure und kühlt, wenn nöthig,etwas ab. Es entsteht alsdann gleichfalls die oben beschriebene Färbung. In dieser Weisesoll sich noch '/ao - '/so mg Cholalsäure nachweisen lassen.

Die Galle enthält 810 Proc. Trockensubstanz, in dieser als speeifische Bestand-theile: Gallensäuren (Glykocholsäure C 26 H 43 NO 0 und Taurocholsäure C 2C H l5 NS0 7 ) an Kaliund Natron gebunden, Gallenfarbstoffe (Bilirubin, Biliverdin), im übrigen kleine MengenLecithin, Cholesterin, Seifen, Neutralfette, Harnstoff und Mineralstoffe (NaCl, Ca,, (P0 4 ).>,Mg 3 (P0 4 ) 2 und FeP0 4 ). Sämmtliche gallensauren Alkalisalze sind löslich in Wasser undAlkohol, unlöslich in Aether. Die alkoholische Lösung der Salze wird daher durch Aethergefällt, und diese Fällungen können im krystallisirten Znstande erhalten werden (Platt-neb's krystallisirte Galle) durch Fällung mit Alkohol kann man die Schleimstoffe,durch Extraktion mit Aether das Fett, Cholesterin und verwandte Stoffe, durch Digestionmit Thierkohle die Farbstoffe entfernen. Die genuine Galle ist nur eine beschränkte Zeithaltbar und geht bald in Fäulniss über. Für therapeutische Zwecke wird sie daher ineine haltbare Form gebracht.

Die physiologische Rolle der Galle besteht darin, dass sie die Aufgabe hat, dieResorption der Fette zu befördern, dadurch, dass sie dieselben verseift und emulgirt.Ausserdem nimmt man an, dass die Galle die pankreatische Verdauung des Eiweisses unter-stützt und eine gewisse Desinfektion des Darmes besorgt.

Anwendung. Die frische Ochsengalle wird löffelweise hypochondrischen Härnor-rhoidariern gegeben. Sie wird beim Fleischer bestellt und noch frisch aus dem ge-schlachteten Thiere genommen, kolirt und dispensirt. lieber zwei Tage hält sie sich, auchwenn sie im Eisschrank aufbewahrt wird, nicht. Damit sie sich einige Tage länger kon-servirt, ist ein Zusatz von circa 3 Proc. Spiritus aethereus zu empfehlen. Die Anwendungder Ochsengalle im Haushalt und in den Gewerben zur Reinigung gefärbter w T ollenerZeuge ist bekannt. Um Ochsengalle für einen weiten Transport oder auf mehrere Tagezu konserviren, versetzt man sie mit 0,51,0 Proc. Aether.

II. Fei Tauri inspissatum (Ergänzt).). Extractum animale amariim. Ein-gedickte Ochsengalle. Erwärmte und durch Leinwand geseihte, frische Ochsengalledampft man sofort im Dampfbade in einem Porcellangefässe ohne umzurühren zur Kon-sistenz eines dicken Extraktes ein. Dasohne umzurühren" ist so zu verstehen, dass dieeinzudampfende Galle nicht unnöthig viel gerührt werden soll. Ausbeute 1113 Proc.

Eigenschaften. Die eingedickte Ochsengalle bildet eine grünlich-braune Massevon dicker Extraktkonsistenz, von anfangs süsslichem, dann stark bitterem Geschmack unddem eigenthümlichen Gallengeruche. Frisch bereitet, giebt sie mit Wasser eine grünlich-braune, klare, nach längerer Aufbewahrung etwas trübe Lösung. Sie enthält die Bestand-teile der Ochsengalle, jedoch zum Theil im veränderten Zustande.

Anwendung. Man wendete dies Präparat früher in denselben Fällen wie dietrockene gereinigte Ochengalle an. Das Volk streicht es auf Blase wie ein Pflaster auf