Druckschrift 
A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
Entstehung
Seite
325
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Flores Cinae.

325

macht, ausgeschieden. Dieser Farbstoff (nicht aber das Santonin) wirdauf Alkalizusatz roth (s. Rheum und Senna). Von der Chrysophan-säure kann er leicht u. a. dadurch unterschieden werden, dass der San-toninharn seinen durch Alkalizusatz rothgewordenen Farbstoff beimSchütteln mit Amylalkohol an diesen abgibt, während der Rheum- undSemiaharn dies nicht thut. Macht man aber beide Harne von vornhereinsauer, so gibt umgekehrt der Rheumharn seinen gelben Farbstoff anden Amylalkohol, während der Santoninharn ihn festhält. Im ersterenFalle kann man dem Amylalkohol den sauren Farbstoff durch Schüttelnmit NH 3 -haltigem Wasser entziehen, wobei letzteres roth wird.

Werden grössere Mengen resorbirt (z. B. nach Einnahme sehrgrosser Dosen oder gut gelöster mittlerer Gaben), so entsteht einRauschzustand (Santonrausch) mitXanthopsie (Gelbsehen) (Violett wirddann überhaupt nicht empfunden), dem oft Violettsehen vorangeht.(Man vermuthet, dass die violettsehenden Elemente nach vorgängigerErregung gelähmt werden; daher dann das weisse Licht gelb erscheine.Einige Thatsachen sprechen dafür, dass der Wiederersatz der in denZapfen vorauszusetzenden violettempfindlichen Substanz weniger promptals normal nach Verbrauch stattfinde. Für den Sehpurpur ist Analogesangegeben.)

Bei kleinen Kindern ist schon nach 0,06 schwere Vergiftung mitepileptiformen Krampfanfällen gesehen worden. Thiere (z.B. Frösche)zeigen ebenfalls solche (vom Mittel- und Hinterhirn bezw. Medullaoblongata und Rückenmarke ausgehende) Krämpfe. — In Folge längereZeit hindurch fortgesetzter Santoninbehandlung sah man eine chronischeIntoxication : Gesichtshallucinationen (glühendeKugeln, Blitze), Xanth-opsie, Aphonie u. s. w. Nach Aussetzen des Mittels sehr langsameWiederherstellung.

Santonin wird gegen Ascaris, Oxyuris, Anchylostoma gegeben; estödtet die Ascariden nicht, sondern verleidet ihnen, nach der einenAuffassung, nur den Aufenthalt; nach einer anderen Ansicht gerathendie Ascariden durch Santonin in convulsivische Krämpfe, durch welchees ihnen unmöglich gemacht wird, sich durch eigene Bewegung gegenden peristaltischen Strom am Orte (Dünndarm) zu halten; für letztereAuffassung spricht die Beobachtung, dass die Thiere bei fehlenderPeristaltik (an Schweinen, die Opium erhalten hatten, beobachtet)trotz Santonin am Orte bleiben und nicht „nach abwärts flüchten".Jedenfalls empfiehlt sich die gleichzeitige oder besser nachträgliche Dar-reichung eines Abführmittels (wozu meist Calomel benutzt wird).

Dosen: Flores Cinae (wenig in Gebrauch, vielleicht mit Unrecht vernach-lässigt) 0,5—5,0, am besten in Latwerge. — Santoninum: bei kleineren Kindern