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A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
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ExCITANTIA. AxALEPTICA.

Die besprochene Erleichterung der motorischen Innervation unterdem Einflüsse des Alkohols, deren die betreffende Person sich bewusstist, und die jedenfalls zu dem Kraftgefühl und dadurch zu der Euphorie— sowie zu dem Thatendrang leicht Berauschter mit beiträgt, wird,rein physiologisch gesprochen, wohl nicht anders aufgefasst werdenkönnen, denn als beruhend auf einer gesteigerten Anspruchsfähigkeitgewisser Ganglienzellensysteme. Dies erinnert an eine analoge Be-trachtung bei der Strychninwirkung (s. diese). Jedoch wie ganz andersist dort der Erfolg! In der That ist aber dort der Angriffspunkt einganz anderer. Während nach Strychnin die Anspruchsfähigkeit dersensiblen und der sensuellen Nerven für Tasteindrücke, Farbe, Licht,Schall u. s. w. ungemein gesteigert ist, sehen wir beim Alkoholisirtendiese Anspruchsfähigkeit vermindert. Dementsprechend nehmen nachAlkohol auch die Reflexe ab. Nicht die motorische Innervation über-haupt, sondern nur die will kür lieh- motorische Innervation wird durchAlkohol erleichtert. Nur in jenen Ganglienzellen, in welchen die willkür-liche Innervation den rein motorischen Antheil ihres Ablaufs beginnt,ist die „Verminderung des physiologischen Widerstandes" zu statuiren,während es sich bei Strychnin einerseits nur um die niederen Reflexbahnenund in diesen vielleicht überhaupt gar nicht um den motorischen Theil desReflexbogens, sondern nur um den sensiblen Theil der Fasern handelt.

So gut es nun Reflexhemmungen gibt, d. h. Erregungen, welche denphysiologischen Widerstand im Reflexbogen so erhöhen können, dassder Reflex ausbleibt, so gibt es auch psychische Hemmungen, welchedas Eintreten willkürlicher motorischer Innervation verhindern, alsoden physiologischen Widerstand gerade in jenen Ganglienzellen ver-grössern können, von deren Beeinflussung durch Alkohol wir soebengesprochen haben. Diese psychischen Hemmungen sind nun in jenenbegrifflichen Associationen gegeben, wie sie durch Eigenart, Lebens-erfahrung, Erziehung, Wissen, Ueberlegung u. s. w. in uns entwickeltsind und zu jener ruhigen, würdigen Haltung und Zurückhaltung undzur Unterdrückung elementarer, motorischer Impulse führen, welche jenach der Kulturstufe und Kulturart in höherem oder geringerem Gradejedem nüchternen Erwachsenen eigen sind. Indem der Alkoholgenussgerade diese Ideenverbindungen lahmlegt, führt er um so mehr zu demErgüsse elementarer, motorischer Impulse, als ja auch schon der un-gehemmte Erguss der willkürlich-motorischen Erregung durch ihn, wiewir sahen, erleichtert ist. Daher die Maasslosigkeit der Bewegungen,das laute Wesen, Lachen, Singen u. s. w., was alles von den Alkohol-beeinflussten in Anbetracht der Abstumpfung ihrer acustischen u. s. w.Sphäre nicht als störend empfunden wird.