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A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
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EXCITANTIA. AxALEPTICA.

hat, meide das spirituöse Excitans und wähle ein über lange Zeiten hinwirkendes, milder anregendes Mittel, wie Kaffee, Thee; in kritischenMomenten dagegen, zumal wo es sich um prompte, energische Ent-wickelung kürzer dauernder Muskelaction handelt, ist ein starkes Spiri-tuosum oft das einzige disponible, brauchbare und schnell wirkendeExcitans.

Die sonstigen resorptiven Wirkungen alkoholischer Getränke anGesunden, — die Wirkung kleiner, mittlerer und grosser —, sogar dieWirkung toxischer Gaben bedürfen als allbekannt keiner Schilderung.Der Unterschied in der Wirkung verschiedener Kategorien von Spiri-tuosen ist bezüglich seiner Ursachen im Obigen bereits genügend ge-streift : Feinheit des Aromas, Volumquanta der genossenen Getränke(z. B. Bier und Weine resp. Liqueur), Temperatur und das psychischeBehagen, soweit es durch alles dieses beeinflusst wird, Resorptions-geschwindigkeit, die sonst nebenher einwirkenden Lebensreize (Sehen,Hören, Psyche) bestimmen überdies dieMannichfaltigkeit des Wirkungs-bildes.

Es lässt sich die Frage aufwerfen, welcher Art die Einwirkung desAlkohols auf die den psychischen Functionen dienenden Ganglienzellenist. Dass in grossen, toxischen Gaben der Alkohol hier einfach lähmendwirkt, leuchtet ohne Weiteres ein. Auch haben die experimentell-psychologischen Versuche ergeben, dass sämmtliche einfachen psychi-schen Functionen schon nach Gaben von 30—40g Alkohol erschwert,bezw. stark verlangsamt werden. Aber bei kleinen, sagen wir: diäte-tisch und social zulässigen Gaben sehen wir für eine kurze Zeit eineReihe von Seelenthätigkeiten (im Sinne des populären Sprachgebrauchs)zweifellos zunehmen, um dann später sinnfällig abzunehmen. Freilichsind diese Erfahrungen — und ebenso die alsbald zu erwähnendenpsychologischen Experimente nicht an solchen Versuchspersonen ge-wonnen, die an Alkohol noch nicht gewöhnt sind. Es wäre dringendzu wünschen, dass an (in Bezug auf Alkohol) gänzlich normalen Men-schen experimentirt würde, und Temperenzler ohne jegliche alkoho-lische Vergangenheit könnten ihren gewiss nicht ohne Weiteres zu ver-werfenden Temperenzbestrebungen keinen grösseren und erfolgreicherenDienst leisten, als wenn sie sich einem Sachverständigen für Versuchemit alkoholischen Getränken zur Verfügung stellten. Der Potator, derdes Morgens sich übel befindet, unklar im Kopfe, zu Schwindel geneigtist, an den Händen heftig zittert und zu keiner präcisen Hantirung zugebrauchen ist, wird sofort so normal, als es bei ihm überhaupt nochmöglich ist, wenn er seinen ersten Schnaps — den er mit eigener Handnicht zum Munde führen kann, ohne die Hälfte zu verschütten — ge-