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EVACUANTIA.
Physiologische Wirkung. Beim Menschen stellt sich nach sub-cutaner Injection von 0,02 salzsauren Pilocarpins schon nach wenigenMinuten zuerst Salivation ein, es entsteht Gefühl von Wärme der Ge-sichtshaut mit Hyperämie und Klopfen der Carotiden. Die Athmungwird beschleunigt, die Pulszahl steigt um 20—40 per Minute. Nach10—15 Minuten beginnt dann die Schweissabsonderung, zuerst an derStirn und Gesichtshaut, und dehnt sich allmählich nach abwärts aus.Eine nicht gerade allzu seltene Erscheinung dabei ist das Auftreten vonBrechreiz oder gar Erbrechen. Die Wirkung dauert l ] /2— 2 Stunden.Die Mastdarmtemperatur bleibt während dieser Zeit unverändert; dieHauttemperatur dagegen steigt zuerst und sinkt am Ende der Versuchs-zeit um 1—2° C. Der Verlust an Schweiss kann 1—l 1 ^ Kilo, der anSpeichel ] / 2 Kilo betragen; die insensiblen Verluste können noch bis zu2 Kilo ausmachen, so dass ein Gesammtverlust von 4 Kilo entstehenkann. — Die Köthung der Haut, das Klopfen der Carotiden und diei Zunahme der Pulsfrequenz sind ebenso bedingt, wie nach Amylnitrit-tvw-t. einwirkung (s. diese).
Bei so grossen Wasserverlusten sinkt selbstverständlich die Urin-abscheidung. Trotzdem ist Pilocarpin an sich ein Diureticum, z. B. beikünstlicher Nierendurchblutung. Auch die Bronchialschleimhaut secer-nirt sehr stark nach Pilocarpin, und so ist Pilocarpin ein Expectorans.Physiologisch interessant ist die Zunahme der intravitalen O-Abschei-dung in der Fischblase nach Pilocarpin.
Zwischen Pilocarpin und Atropin ist ein eben solches antagonisti-sches Verhältniss, wie wir es beiPhysostigmin und Atropin besprochenhaben.
Aufs Auge geträufelt hat Pilocarpin eine myotische Wirkung (s. Ese-rin). — Darm, gravider Uterus werden durch Pilocarpin in heftigeAction versetzt; in gleichem Maasse gilt dies für die ihm (chemischund) physiologisch nahestehenden Gifte Eserin und Nicotin. DieseStoffe wirken daher abführend und ekbolisch (Abortus, Frühgeburt);wegen ihrer sonstigen Wirkungen sind sie als Abführmittel unzulässig.
Grössere Dosen verursachen leicht Herzschwäche.
Therapeutische Anwendung. 1) Zunächst als energischstes Dia-phoreticum (s. d. allg. Theil). 2) Als Expectorans u. s. w. Bei Keuch-husten, Asthma, Croup, Diphtherie u. s. w. sehr empfohlen. Bei Diph-therie von einigen wie fast speciflsch wirkend genannt (?) (subcutan0,005 bei Kindern unter 2 Jahren, bei grösseren bis 0,01 2—3 mal täg-lich), desgleichen bei Erysipelas. 3) Als Ecbolicum (zur Hervorrufungund Beschleunigung der Geburt u. s. w.) und gegen Menstruations-anomalien von unsicherem Werthe. 4) Als Antagonist bei Atropin-