Folia Jaborandi, Jaborandiblätter. Pilocarpinum hydrochlor., Pilocarpin. 299
Weise die Secretionsnerven der Schweissdrüsen (s. Physostigmin undAtropin). Es gibt aber aucb Stoffe wie Kampher, ätherische Oele, Phenolund essigsaures Ammoniak, welche — (analog gewissen psychischenEinflüssen) — von den C e n t r a 1 apparaten her die Schweisssecretionveranlassen: auch nach Unterbindung der Arterien eines Gliedes trittnach Einnahme dieser Stoffe an dem vor Giftzufuhr geschützten Gliede,z. B. an der Pfote junger Katzen, Schweiss auf (natürlich nur so langeder Flüssigkeitsvorrath der blutlosen Drüse reicht); dagegen bleibt hierbei unverschlossener Arterie der Schweiss aus, wenn der Ischiadicusdurchschnitten ist. Bei den peripherisch angreifenden Stoffen, wiePilocarpin und Physostigmin, findet das Umgekehrte statt. (Pilocarpinhat übrigens nebenbei auch noch eine schwache central angreifendeWirkung in Bezug auf Schweisssecretion.)
Während Pilocarpin auch bei kühler Umgebung, ungenügender Ein-hüllung oder Bedeckung des Körpers und geringem Wasser- und Wärme-vorrath des Körpers den Schweiss erzwingt, bedarf es bei den centraleinwirkenden Mitteln eines erhöhten Temperaturgrades der Luftschicht,welche die Körperoberfläche umgibt, und namentlich einer Vermehrungdes Wassergehaltes des Körpers, was durch reichliches Trinken warmerGetränke erfüllt wird. Sind diese Bedingungen in hohem Maasse erfüllt,so genügen sie schon an sich, um Schweiss zu erzeugen. Wassertrinken,heisser Raum und Einhüllen in wollene Decken reichen zur Diaphoresehin. Das Trinken heisser Getränke ist (s. Excitantien) qua Wärmezu-fuhr hierbei von geringer Bedeutung; im Wesentlichen wirkt hier die(bewusste und unbewusste) Wärmeempfindung reflectorisch als Reizfür die Diaphorese (Wärmeregulation).
Folia (Folium) Jaborandi (Folia Pilocarpi), Jaborandiblätter.Pilocarpinum hydrochloricum. Salzsaures Pilocarpin.
Die Blätter von Arten des Pilocarpus, besonders P. pennatifolius, Butacee,in Brasilien wachsend, schon im 17. Jahrhundert dort in Gebrauch, wurden1874 von Dr. Coutixho in Pernambuco als Speichel- und schweisstreibend neu be-funden.
Die Blätter sind gefiedert (ähnlich den Wallnussblättern), meist zu 5, manch-mal auch zu 11, 9, 7 oder 3 Blättchen. Diese sind ca. 15 cm lang, bis 7 cm breit,lanzettförmig, ganzrandig; der Geschmack ist bitter und aromatisch. In ihnenist zu etwa 0,5°/o das Pilocarpin (CuHkjNjOj) enthalten (Hardy 1875), eineamorphe, weisse Masse, welche mit Salz- und Salpetersäure krystallisirbare Salzegibt; ausserdem enthalten sie noch kleine Mengen eines zweiten Alkalo'ides, Ja-bo randin, und ferner ca. '/a °/o eines ätherischen Oeles. Zuerst wurde eine Ab-kochung der Blätter benutzt, nachher, als das Pilocarpin bekannt wurde, hat mansich ausschliesslich dessen bedient, da die Blätter leichter als das Alkalo'id Col-laps erzeugen.