Cantharides, Canthariden, spanische Fliegen.
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diese Erscheinungen meistens bald auf; sie können aber auch tödtlichverlaufen. Alsdann sieht man vorher oft schwere Convulsionen. Auchkann (sehr selten) die Nierenaffection in eine schwere — eventuell tödt-liche — parenchymatöse Nephritis übergehen. Vom Blute aus wirktCantharidin verändernd auf die Gefässwand, insbesondere auf die Capil-laren. Es entstehen so Stasen, entzündliche Vorgänge mit reichlicherDiapedese u. s. w. In kleinen, noch eben sonst unschädlichen Dosen,z. B. in Form des cantbaridinsauren Kaliums (Liebreich) subcutangegeben, erzeugt es diese Reaction besonders in tuberculös erkranktenGeweben, vermag, ähnlich dem Tuberculin, eine Wiederanfachungalter Entzündungsprocesse zu bewirken und ist bei Kehlkopfphthiseempfohlen worden (subcutane Injection von Kalium cantbaridinicum] /2o bis V 2 m g)-
Therapeutische Anwendung. Innerlich sollten die Canthariden (ad0,05 pro dosi! 0,15 pro die!) niemals gebraucht werden: es liegen dafürkeine Indicationen vor. Man hat sie zwar früher in kleinen Dosen alsDiureticum empfohlen. Kalium cantbaridinicum (nicht offic.) subcutanV20 bis v i2 mg, s. oben: 0,2 Cantharidin + 0,4 Kai. hydr. + 1000,0 Aq.dest.
Für die äussere Verwendung bilden die Canthariden das beste Ma-terial, um Hautröthung und Blasenbildung hervorzurufen.
1) Emplastrum Cantharidum ordinarium (Ph. Helv.: Empl. Cantha-ridis). 2 Thle. gepulverte Canthariden, 1 TM. Olivenöl, 4 Thle. Wachs und 1 Thl.Terpentin. Klebt nicht; zieht binnen 5—10 Stunden eine Blase, schneller, wenndie Hautstelle vorher mit Oel bestrichen wird, — weil Oel Lösungsmittel für Can-tharidin ist; muss nach 8—10 Stunden entfernt werden. (Ph. Helv.: Frische span.Fl. 25, Olivenöl 12, gelbes Wachs 50, Terpentin 8, Elemi 5, mit G-lycerfn zuStangen ausgerollt.)
2) Emplastrum Cantharidum perpetuum. 14 Thle. Geigenharz, 10 Thle.gelbes Wachs, 7 Thle. Terpentin, 4 Thle. Talg, 4 Thle. gepulverte Canthariden,1 Thl. gepulvertes Euphorbium. (Ph. Helv.: Elemi 30, gelbes Wachs 20, Storax 10,Kampher 5, Olivenöl 5, spanische Fliegen 30.)
3) Oleum cantharidatum. 3 Thle. Canthariden mit 10 Thln. Olivenölextrahirt, gepresst, filtrirt.
4) Vnguentum Cantharidum. 3 Thle. Cantharidenöl, 2 Thle. Wachs;eine citronen- oder braungelbe Salbe. (3 und 4 dürften wenig in Gebrauch sein.)
5) Collodium cantharidatum. Eine Auflösung von Cantharidin in Col-lodium, blasenziehend.
6) Tinctura Cantharidum. Der weingeistige Auszug der Cantharidenim Verhältniss von 1:10, von grünbrauner Farbe (ad 0,5 pro dosi! ad 1,5 pro die!)
Therapie der Vergiftung. Prophylaxe: nicht zu viel und nicht zu grosseBlasenpflaster auflegen! Wenn von epidermatischer Anwendung aus eine Vergif-tung erfolgt ist, müssen vorhandene Pflaster entfernt und die betreffenden Haut-stellen gut gereinigt werden; bei innerlicher Vergiftung ist Magenausspülung (dasspontane Erbrechen genügt nicht) und energische Unterstützung der bestehendenDurchfälle geboten: wenn Canthariden in Substanz oder Emplastr. Canthar. ver-schluckt ist, darf kein Ol. Ricini — überhaupt keine Fette, Milch u. s. w.