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A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
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Oleum Jecoris Aselli, Leberthran.

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Oleum Jecoris Aselli, Leberthran.

Die fette Oelart, welche aus der Leber verschiedener zu der Gattung G-adus{Dorsch) gehörende Fische ausgelassen und ausgepresst wird. Es kommen hier inBetracht Gadus Morrhua, Gadus Carbonarms, Gadus Callarius u. a. m. Die Pro-duction findet namentlich an den nordnorwegischen Küsten, z. B. auf den Lofotenstatt. Im Handel cursiren insbesondere 3 Arten von Leberthran; sie lassen sicham besten der Farbe nach unterscheiden: hellgelber, rothgelber undbrauner Leberthran; die erste wird gewonnen durch Sammeln des Oels, wel-ches zuerst bei schwacher Erwärmung durch Wasserdampf und bei gelindemDrucke aus der frischen Leber ausfliesst, und die anderen beim stärkeren Pressenund Ausbraten nach Maceration der Leber. Früher wurden die helleren Färbun-gen auch durch künstliche Reinigungsmethoden dargestellt. (Arzneib. f. d. D. R.:„Aus frischen Lebern des Gadus Morrhua, bei gelinder Wärme im Dampf bade ge-wonnenes Oel von blassgelber Färbung." Aehnliches schreibt die Ph. Helv. Ed. III.vor; sie fordert spec. Gew. 0,926-0,931.)

Der Leberthran enthält die Glyceride der Oelsäure, der Palmitinsäure und, zu-mal die dunkleren Sorten, auch freie Oelsäure bis zu 6°/»» ferner Gallensäurenund verschiedene harzige Stoffe, welche nicht näher bekannt sind; daneben kom-men geringe Quantitäten von Jod und Brom in ihnen vor, von ersterem jedenfallsnicht über 1 : 10000. Während der helle Thran fast ganz frei von organischenBasen ist, enthält der dunkle deren mehrere, wenn auch in geringer Menge; es sindsog. Ptoma'ine (Fäulnissbasen), die an der günstigen therapeutischen Wirkungwohl jedenfalls nicht betheiligt und andererseits in zu geringer Menge vorhandensind, um zu schaden. Aufgeführt werden: die flüchtigen Basen Amylamin, Hexyl-amin, Dihydrolutidin und die fixen Basen „Asellin" (C25H32N4) und „Morrhuin"(CL9H27N3). Das Morrhuin und die auch in den dunklen Thranen enthaltene Mor-rhuinsäure sollen an Thieren die Fressgier steigern. Alle Thrane sollen phosphor-glycerinsaure Verbindungen enthalten. Auch das (P-haltige) Lecithin ist nach-gewiesen worden. Der dunklere Leberthran ist (ausserhalb des Organismus) mitAlkalien u. s. w. wesentlich leichter emulgirbar als irgend andere Fette, geht auchviel leichter durch thierische Membranen hindurch und ist dementsprechend auchgut resorbirbar.

Ueber die physiologischen Wirkungen lässt sich nur sagen, dass derLeberthran im Vergleich mit anderen fetten Oelen durchschnittlich gutertragen wird und bei denjenigen Patienten, die ihn gut vertragen, alsein besonderes Beförderungsmittel der Ernährung sich bewährt hat.Ein Irrthum war es wohl jedenfalls, wenn man früher die Wirkungvon jenen Spuren Jod abzuleiten versuchte, welche der Leberthran ent-hält. Er ist in Wirklichkeit nichts Anderes als ein eigenthümlichesmedicinisches Nährmittel, das bei scrophulösen oder irgendwie kachek-tischen Patienten zuweilen besonders gut anschlägt und unter Kräfti-gung der Constitution die Dyskrasie überwinden hilft. Die besondersleichte Verdaulichkeit verdankt der Leberthran wohl am wesentlichstenseinem Gehalt an freien Fettsäuren, da das Leberfett einen Fettsäure-gehalt von 7—11 °/o hat, während die meisten übrigen Fette davonnur 1—2 °/o haben. Für die Fettresorption sind aber die Fettsäurenvon grosser, vielleicht sogar ausschlaggebender Bedeutung, da die Fette

Cloetta-Filelme, Arzneimittellehre. 10. Aufl. 14