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A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
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Serumtherapie und Verwandtes.

genen Bacterien schädigend wirken, oder ob sie (s. unten bei dem Heil-serum gegen Diphtherie und Cholera) den Organismus zur Productionwirksamer Stoffe veranlassen.

Tuberculinum KocM (R. Koch).

Obgleich das „Tuberculin" die an seine Entdeckung geknüpftenHoffnungen nicht erfüllt hat, so gebührt ihm doch eine besondere Be-achtung an dieser Stelle, da es auch heute noch zu (günstigen) curativen,namentlich aber zu diagnostischen Zwecken weitverbreitete Anwendungfindet. Das Tuberculin wird aus einer sterilisirten Kultur vonTuber-kelbacillen durch abwechselnde Extraction, resp. Lösung mit Glycerinund Fällung mit Alkohol gewonnen; nach W. Kühne stellt es in reinemZustande eine Albumose dar, in den Handel kommt es als eine bräun-liche Lösung. Bei Gesunden in ziemlich hohen Gaben ohne jede Wir-kung, erzeugt es bei Tuberculosen schon in der Gabe von l k —2 mgdie bekannte fieberhafte Reaction, an welche ja eine Gewöhnung nachKocii's weltberühmten Versuchen stattfinden kann. Diese fieberhafteReaction der Tuberculosen auf das „KocH'sche Mittel" ist sehr charakte-ristisch und hat sich über allen Zweifel bewährt, ein Punkt, der wegender Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose für die Phthiseotherapie her-vorgehoben zu werden verdient, und durch den das Mittel in derVeteri-närmedicin eine besonders segensreiche Verbreitung gefunden hat. Diesist auch für die menschliche Pathologie nicht nur darum von höchsterWichtigkeit, weil die Rindertuberculose (Fleisch und namentlich Milch)als eine der wichtigsten Quellen der menschlichen Tuberculose von vielenangesehen wird, sondern auch weil die absoluteUngefährlichkeit, die beivorsichtiger Darreichung des Tuberculins nach hunderttausenden von Er-fahrungen constatirt werden konnte, auch eine modificirte therapeutischeAnwendung wieder erhoffen lässt. Versuche in dieser Richtung, dienamentlich Behring mit selbst hergestelltem Tuberculin und einer Tuber-culinsäure (Nucleinsäure ähnlich) angestellt hat, lassen auch von demmit so viel Enthusiasmus begrüssten und dann so bald fallen gelassenenersten Mittel Kocn's noch immer schöne therapeutische Erfolge hoffen.

In neuerer Zeit (1897) hat Robert Koch ein neues Präparat ausTuberkelbacillen herstellen gelehrt, das Tuberculin TR, welches ausfrischen, möglichst virulenten Tuberkelbacillen durch Eintrocknen imVacuum, Zerreiben, Aufschwemmen in Wasser und Centrifugiren ge-wonnen wird. Ausser einer oberen, leicht opalisirenden, durchsichtigenSchicht, die frei von Bacillenleibern ist und, Tuberculin TO genannt,dem alten Tuberculin entspricht, wird eine schlammige Masse gewonnen,