Heilsermnarten, Antitoxine.
187
die das Tuberculin TR darstellt und durch Verreiben mit Wasser undwiederholtes Centrifugiren in Lösung gebracht wird. Das Präparatwird mit 20 °/o Glycerin versetzt als l°/oige Lösung in den Handelgebracht.
Das neuere Präparat soll nach den Untersuchungen R. Koch's starkimmunisirende Eigenschaften besitzen, ohne bei Phthisikern Reactionhervorzurufen; nach Koch's Vorschlag wird mit minimalen Dosen('/soo mg) angefangen und langsam, ohne dass Temperaturerhöhungeneintreten dürfen, bis auf 20 mg angestiegen, worauf dann in grösserenIntervallen noch einige Injectionen folgen können.
Da nach Koch's eigenen Angaben auf diesem Wege Immunität nurbei Kranken zu erzielen ist, welche reine, durch Mischinfection nichtgetrübte Tuberculose haben, und auch bei Fiebernden (über 38°) dieAnwendung nicht rathsam ist, so sind bei den gegebenen Verhältnissen— wie auch Controllexperimente gezeigt haben — an das neue Prä-parat z. Z. noch nicht allzugrosse Hoffnungen zu knüpfen.
An diese Kocu'schen Tuberculinpräparate reihen sich die vonBuchner und Hahn aus den mit Quarzsand verriebenen Bacterienleibernvermittels hydraulischer Pressung bei 500 Atmosphären dargestelltenPiasmine aus Milzbrand-, Tuberkel-, Typhus-, Cholerabacillen undStaphylokokken. Von diesen scheint namentlich das Tuberculoplasminin Thierversuchen eine gewisse Heil-(Immunisirungs-)kraft zu zeigen,während über das Verhalten zu menschlicher Tuberculose noch keinehinreichenden Erfahrungen vorliegen.
b) Heilserumarten, Antitoxine l ).
Wie in der allgemeinen Einleitung, Abschnitt III (S. 15 f.) schonhervorgehoben, entsteht nach Ablauf einer Reihe von Infectionskrank-heiten eine specifische Immunität, die auf der Anwesenheit von Anti-toxinen beruht und sich auch als übertragbar herausgestellt hat. So-wohl von der activen wie von der künstlichen passiven Immunisirung
— die also durch Infection oder ohne sie, resp. vor ihr zu erzielen wäre
— wird jedoch, wenn wir von der nicht in den Rahmen dieses Buchesgehörenden Kuhpockenimpfung absehen, bis jetzt nur wenig Gebrauchgemacht; wohl aber haben die antitoxisch wirkenden Sera in einigenFällen bei der Behandlung von Infectionskrankheiten — also nach statt-gehabter Infection — eine hervorragende Bedeutung erlangt.
Es ist nun sehr beachtenswert!!, dass die (sog. „passive") Immuni-
J ) Toxin bekämpfende Stoffe.