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A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
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Antifermentativa. Antiseptica. Desinficientia.

grossen Leichtigkeit seiner Resorption, die (s. Jodoform) einerseits zu Vergiftungenführen könnte, andererseits das Jod für Dauerverbände unbrauchbar . macht,könnte das Jod noch eine Rolle zu spielen berufen sein: vorläufig ist es nur inForm von Jodoform (und Jodtrichlorid) antiseptisch verwerthet. (In Substanzwirkt es ätzend.)

Aqua chlorata (Ph. Helv.: Chlorum solutum) soll mindestens 4°/oo undhöchstens 5°/oo Chlor in Aq. destill, enthalten. Darf weissem Tageslicht nicht aus-gesetzt werden. Bestes Desinficiens, wenn frisch bereitet. Innerlich pur, esslöffel-weise, gegen Cholera asiatica(?) empfohlen. Für chirurgische Zwecke und zur Des-infection wegen Zersetzlichkeit nicht allgemein brauchbar.

Calcaria chlorata, Chlorkalk CaCL>02 + CaCIj. Weissliches Pulver, nachChlor riechend, ist wohl ein Gemenge von unterchlorigsaurem Kalk und Chlorcal-cium (nebst Beimengung von Aetzkalk). An der Luft entwickelt sich durch Ein-wirkung der Kohlensäure die unterchlorige Säure; sobald man eine stärkere Säure,wie Schwefelsäure u. s. w. zusetzt, wird alles Chlor daraus frei gemacht und ent-weicht, und nur insofern Chlor daraus entwickelt wird, wird Chlorkalk als Des-inficiens für Wohnräume benutzt (meist unzureichend, s. oben). Als desinficirendeWaschflüssigkeit eignet sich eine wässrige Lösung von Chlorkalk nur dann, wennsie frisch bereitet wird, da später aus ihr sehr bald die unterchlorige Säure resp.Chlor entweicht. — Zur internen Verwendung eignet sich dieser Stoff nicht, da derMagen ihn nicht ertragen würde.

[Natrium hypochlorosum solutum. (Ph. Helv.; Bleichwasser, Liqueur deLabarraque.) Wird bereitet, indem 20 Thle. unterchlorigsauren Kalks mit 25 Thln.Soda in 600 Thln. Wasser zusammengemischt werden. Man gebraucht dieseMischung zur Befeuchtung von Verbandstoffen oder als Waschwasser bei übel-riechenden Wunden und Geschwüren, oder als Injectionsmittel bei ähnlichen Vor-gängen.]

Acidum boricum, Borsäure, B0 3 H 3 . Farblose, lamellenartige Krystalle vonsaurem Geschmack, in 25 Thln. kalten, in 3 Thln. siedenden Wassers und in 15 Thln.Weingeist löslich. Auch diese Substanz kann als Antifermentativum benutztwerden. Die Borsäure ist grösstentheils nur äusserlich verwendet worden. InLösungen von 2—4 °/o gebraucht man sie als Mund- und Gurgelwasser, als Befeuch-tungsmittel für Verbandstoffe und in Salbenform. Sie wirkt örtlich wenig reizend;sie ist ein nicht ganz zuverlässiges Gift für Bacterien.

Neuere Beobachtungen zeigen, dass man mit der Borsäure, zumal beim inner-lichen Gebrauche, sehr vorsichtig sein muss; denn wenn grössere Mengen dieserSäure zur Resorption gelangen (z. B. auch bei Blasenausspülungen, Clysma), sokann sie toxische Erscheinungen hervorbringen: oft fieberhafte gastrische Erschei-nungen, Collaps, erythematöses, papulöses und petechiales Exanthem, das sich, imGesichte und am Halse beginnend, auf die ganze Haut des Körpers und besondersauf die Streckseiten ausbreiten kann. Tödtlicher Ausgang trat nur in einzelnenwenigen Fällen ein.

Unguentum aeidi borici (Ph. Helv.: Ung. boricum), Borsalbe. Acid.boric. 1, Paraffinsalbe 9. (Ph. Helv.: Weisses Vaselin 9.)

Borax, Natriumborat, B,[0 7 Na2 -f- IOH2O. Harte, weisse Krystalle, welche sichin 17 Thln. kalten, in der Hälfte ihres Gewichtes siedenden Wassers und reichlichin Glycerin lösen, in Weingeist aber unlöslich sind. — Aehnlich wie die Borsäureals Antisepticum verwendet; wirkt jedoch viel schwächer. Er findet zuweilen seineVerwendung zu Mund- und Gurgelwasser. Sehr empfohlen bei folliculärem Binde-hautkatarrh in 4°/»iger Lösung zum (sorgfältigen!) Ausspülen des Bindesacks,3mal tägl. Früher gab man ihn innerlich empirisch als Emmenagogon (menstrua-tionsbeförderndes Mittel) zu 2—4,0 pro die.

Aluminium aceticum s. Argilla acetica, Aluminiumacetat (essigsaure Thon-erde). Da sie sich nicht gut hält, so ist sie ex tempore zu bereiten. Ihre Verwen-dung findet sie als Zusatz zu Verbandmitteln, Injectionsflüssigkeit u. s. w. Dazu