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A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
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Antifermentativa. Antiseptica. Desinficientia.

Das officinelle Präparat löst sich meist nicht vollständig in Wasser und hinter-lässt das Chlorür (Mercurochlorid, Calomel) oder scheidet dieses bald in kleinenQuantitäten ab; Hydrargyr. bichlor, ex aqua recrystallisatum ist auf langeZeit frei von diesem Fehler. Die wässrigen Lösungen reagiren sauer. Die Queck-silberverbindungen zeigen im Allgemeinen nur eine sehr geringe Neigung zurelektrolytischen Dissociation (das Quecksilber ist nur sehr schwach basischerNatur, ein „schlechterBasenbildner"): wo also Hg-Ionen mit OH-Ionenresp. O-Ionensich treffen, werden sie sich mit ihnen grösstentheils unter Bildung undissociirterMoleküle vereinigen, bis der Vorrath an der einen Art von Ionen erschöpft ist. —In den wässrigen Lösungen eines Salzes, in dem Quecksilber mit einer starken Säure,z. B. Salzsäure verbunden ist, sind Hg-Ionen nun in grosser Menge vorhanden.Nun sind, da es sich um eine wässrige Lösung handelt, auch die Ionen des WassersH und OH in messbarer Menge vorhanden, es werden sich daher entsprechenddem Bestreben zur Bildung undissociirter Moleküle bis zur Brzielung eines ge-wissen Gleichgewichts Hg- und OH-Ionen miteinander verbinden resp. es wirdsich unlösliches HgO aus der Lösung ausscheiden. Die vorhandenen H-Ionen werdensich aber natürlich mit den vorhandenen Cl-Ionen nicht verbinden, da Cl einstarker Elektrolyt ist, wohl aber wird die Lösung in Folge dieser H-Ionen sauerreagiren. Diese unter Mitwirkung des Wassers entstehende Erscheinung nenntman Hydrolyse; sie führt auch dazu, dass in wässriger Lösung Säure und Base sichnicht vollständig neutralisiren, sondern nebeneinander bestehen können.

Bei Zusatz von Salzen ändert sich dies insofern, als bei Gegenwart z. B. von NaClein complexes Salz, etwa NaHgCl 3 entsteht, das in die Ionen Na und HgCl3 zer-fällt und also keine oder nur sehr wenig Hg-Ionen hat. Zusatz von dem doppeltenGewicht Chlornatrium oder Salmiak lässt eine nicht saure und schon deshalb (auchsonst) weniger reizende Doppelverbindung entstehen. In Brunnenwasser (über-haupt in nicht destillirtem Wasser) gelöst, bildet Sublimat mit den Kalksalzen sehrbald Niederschläge, wodurch die Desinfectionskraft der Lösung geschwächt undselbst aufgehoben wird); Zusatz von Kochsalz verzögert diesen Vorgang, währendAufbewahren im Dunkeln ihn gänzlich verhindert.

Im Princip wirkt Sublimat local auf die Gewebe vollständig analogden sog. „adstringirenden" Metallsalzen (s. diese); gleich jenen z. B.verengt es local in schwächsten Concentrationen (Sublimat schon vonx /2oo°/o an) die Gefässe, in etwas stärkeren (etwa bis zu 1 J2°joo), folgtder Verengerung eine Erweiterung; innerhalb dieser Grenzen, nament-lich zwischen ^100 und 1 jio°loo, wirkt es direct entzündungswidrig, in-dem es (offenbar durch Veränderung der Gefässwand) die Diapedesisder Leukocyten verhindert u. s. w.; in stärkeren Concentrationen wirktes fast sofort gefässerweiternd und überhaupt stärker „reizend" underzeugt, übrigens schon von 1 jio°joo an, secundär Entzündung, —qualitativ also, aber bei viel geringeren Concentrationen, ganz analogden Adstringentien, welche (s. oben) alle ebenfalls mehr oder wenigerantiseptisch oder desinficirend sind. Seiner energischeren Wirkungund seiner praktischen Bedeutung entspricht es indess, das Sublimathier und besonders zu besprechen. —Zartes Protoplasma wird bereitsvon einer l°/ooigen Sublimatlösung abgetödtet. Die Epidermis wirdvon ihm durchdrungen (Sublimat ist in Cholesterinfetten löslich).

Seine sonstigen physiologischen und toxischen Wirkungen siehe