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Antifermentativa. Antiseptica. Desinficientia.
„Carbolsäure" ist nicht ganz zutreffend: weil diePhenole — in einigem Gegen-satze zu den Hydroxylderivaten der Kohlenwasserstoffe der Methanreihe (densog. Alkoholen), das H-Atom der Hydroxylgruppe sehr leicht durch ein AtomAlkalimetall zu ersetzen erlauben und z. B. Phenolkalium, Phenolnatrium bilden,imponirten sie als Säuren. Echte organische Säuren sind vielmehr durch die Car-boxylgruppe (COOH) gekennzeichnet.
Das Phenol f ä 111 in Folge seiner (von der Hydroxylgruppe stammenden) H-I o n e n„katalytisch" Eiweiss, während sein Gesammtmolekül dasEiweiss zu-nächst zum Quellen bringt, eventuell sogar damit Verbindungen eingeht (s.weiter unten).
Physiologische und toxische Wirkungen. Stärkere Lösungen be-wirken auf der äusseren Haut eine weissliche Färbung der Epidermismit Schrumpfung. Das Phenol gehört mit vielen anderen aromatischenStoffen zu den Substanzen, welche sich in dem die Epidermis impräg-nirenden Cholesterinfette lösen und deshalb von der unverletztenEpidermis leicht durchgelassen werden; es tritt danach einerseits an dieBlutcapillaren des Rete Malpighii und gelangt leicht zur Resorption,— andererseits trifft es die Anfangsstücke der sensiblen Fasern, welchees ähnlich wie Cocain — aber nach vorgängiger Erregung (Gefühl vonBrennen) — lähmt, und so erzeugt es Anästhesie. Werden grössereDosen, pur oder in stärkerer Concentration gelöst, verschluckt, sozeigen sich zunächst locale Aetzwirkungen: weisse Schorfe, Brennenim Munde, Schlünde, Speiseröhre, Magen, verbunden mit Brech-reiz u. s. w. In stärkerer Verdünnung innerlich genommen, bringtPhenol bei Erwachsenen zu 0,1—1,0 innerhalb 24 Stunden ausseranfänglichem Hitzegefühl und Schweiss meist keine auffallenden Er-scheinungen hervor; leichte Störungen der Verdauungsthätigkeit, Ein-genommensein des Kopfes mit Schwindel können sich einstellen. Beigrösseren Dosen dagegen, z. B. nach Resorption von sehr grossenWundflächen aus, treten Vergiftungserscheinungen auf, welche sogarden Tod zur Folge haben können: der Puls wird klein, frequent, dieExtremitäten kühl, der Urin grünlich, eiweisshaltig; zuweilen zeigt sichHämoglobinurie, neben Hämoglobinämie —; Unsicherheit in der Be-wegung, der Sprache, Benommensein des Sensoriums, Bewusstlosigkeit,Delirien; unter den Erscheinungen des Collapses, mit Sehnenhüpfenund fibrillären Muskelzuckungen, dem stets Cyanose und zuweilenDyspnö vorausgehen, stirbt der Vergiftete. Der Tod, welcher durchAthmungs- oder Herzlähmung erfolgt, zu einem Theil vielleicht auchdurch die genannte Blutveränderung resp. Gefässverlegungen bedingtsein könnte, kann schon nach einer Stunde eintreten; in anderen Fällenhat man diesen Ausgang nach 6—12—24 Stunden beobachtet. Beiden Sectionen findet man eventuell die erwähnten Aetzungserschei-nungen im Magen und Dünndarm, sonst keine nennenswerthen Ver-