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A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
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121
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Aoidum carbolicum.

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änderungen; das Blut zeigt sich in schwersten Fällen dunkel, theer-artie, und es lässt sich Phenol in ihm nachweisen.

Bei Thieren sieht man zunächst Stupor, Betäubung, dann nebenanfänglicher Reflexirradiation und Reflexübererregbarkeit (aber bei aus-gesprochener Erschöpf barkeit) eventuell auch Reflexkrämpfen, cen-trale Lähmung. In grossen Dosen ist Phenol auch ein Blutgift (s. oben),,welches zu intravitalen Gerinnungen Anlass geben kann. — Ausser-dem wirkt es antipyretisch (s. Antipyretica) (praktisch hierfür nicht inGebrauch). Es verursacht wie alle „Antipyretica" c e n t r a 1 Schweiss-bildung und Hautgefässerweiterung.

Nachdem Staedeler (1850) nachgewiesen hatte, dass die Carbol-säure ein regelmässiger Bestandtheil des Harns der Herbivoren, nament-lich der Rinder und Pferde ist, fand man sie auch im Harne des Men-schen, wenn auch in viel geringerer Menge. Bei gemischter Kostschwankt die in 24 Stunden abgesonderte Quantität zwischen 25 und30 mg, bei vegetabilischer steigt sie auf das 3—8fache; immerhin istdiese Menge verschwindend klein gegenüber derjenigen, welche imPferdeharn vorkommt. Sie entsteht bei der Dünndarmverdauung, unterdem Einflüsse der Darmfäulniss; die Carbolsäure ist eines der Endpro-ducte des Eiweissumsatzes. In pathologischen Zuständen, in denendie Entleerungen des Dünndarmes behindert sind, wie dieses nament-lich bei inneren Incarcerationen der Fall ist, steigt die Menge des imHarne vorhandenen Phenols beträchtlich.

In allen diesen Fällen erscheint das Phenol im Harne nicht in freiemZustande, sondern gepaart, als eine Aetherschwefelsäure C, ; H 5 0. S0 3 OH(das eine H-Atom der H 2 S0 4 ist durch C G H 5 , das andere durch Alkali-metall gebunden) resp. gepaarte Glykuronsäure. Aus dieser kann esdurch Erhitzen mit Mineralsäuren abgespalten und bei der Destillationals freies Phenol gewonnen werden. Zusatz frisch bereiteten Brom-wassers scheidet es im Destillat als Tribromphenol (C^HaBr^. HO) inForm eines weisslichen, krystallinischen Niederschlags aus dem Destil-late ab. Diese Methode erlaubt, Phenol 1 : 100000 im Harne zuerkennen.

Wird dem Organismus irgendwie Carbolsäure zugeführt, so könnenmit ihr (und Aehnliches gilt für viele Körper der Benzol-, Chinolin-u. s. w. Gruppe) folgende Vorgänge stattfinden: ein Theil ist nichtnachweisbar, und man kann vielleicht annehmen, dass er zu Kohlensäureund Wasser oxydirt wird. Ein zweiter Theil paart sich, wie erwähnt,zu Phenolschwefelsäure. In dem Maasse, als die Aetherschwefelsäurenim Harne auftreten, nimmt die Menge der ausgeschiedenen ungepaarten(sog. „freien") S0 4 H 2 ab. Die Aetherschwefelsäuren sind ungiftig;