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A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
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AsTIFERMENTATIVA. AnTISEPTICA. DeSINFICIENTIA.

cientien, die wir als Desinficientien I. Ordnung bezeichnen wollen, undbei denen die desinficirende Wirkung offenbar auf einem chemischenVorgang beruht, ist die Stärke der Dissociation auch der für die anti-septische Kraft allein maassgebende Factor. Als Typus dieser Classevon Desinficientien wählen wir die Quecksilbersalze, bei denen diebacterienvernichtende Wirkung offenbar dadurch zu Stande kommt,dass zwischen dem Quecksilber und dem Bacterieneiweiss eine che-mische Reaction vor sich geht; es entspricht daher vollkommen den Ge-setzen der physikalischen Chemie, dass von zwei Quecksilbersalzen,z. B.Cyanid und Chlorid, dasjenige am stärksten desinficirend wirkt, dasdie meisten Hg-Ionen enthält, z. B. Sublimat stärker als Cyanid, unddass z. B. solche complexe Hg-Salze, die keine Hg-Ionen enthalten,auch keine desinficirende Kraft haben. Auch der andere Theil der Lehre,dass mit steigender Verdünnung die Dissociation, d. h. die relative Zahlder Ionen zunimmt, hat ihre Bestätigung bei diesen Antisepticis ge-funden, da mit der Verdünnung die Wirksamkeit relativ sich steigert.

Ausserdem existirt aber noch eine zweite Classe (Ordnung) vonDesinfectionsmitteln, deren Wirkung nicht auf Ionenwirkung, sondernauf einer Molecularwirkung beruht, bei der also nicht die Ionen, son-dern umgekehrt das ganze, nicht dissociirte Molekül die Desinfectionleistet. Ein Desinfectionsmittel dieser Art ist das Phenol und die Sa-licylsäure. Hier handelt sich's um additioneile Reactionen, ähnlich wiebei der Färbung etc. Die Unterscheidung zwischen den beiden Classender Desinficientien ist darum praktisch von Bedeutung, weil sie leichterklärt, dass bei organischen resp. eiweisshaltigen Nährböden (Fäces,Sputum) die Desinfection in die Tiefe hinwein wesentlich nur mit denMitteln der zweiten Kategorie gelingt.

Die Desinfection von Organen ist natürlich vielfach versuchtworden, aber eigentlich nur innerhalb der Mundhöhle, durch Anwendungmechanischer und chemischer Agentien, mit einigem Erfolg (cave:saure Stoffe).

Die Desinfection des Magendarmcanals, für dessen Bacteriengehaltman in den gepaarten Schwefelsäuren des Harns einen zuverlässigenIndicator hat (Baumann), ist nur schwierig, z. B. durch grosse DosenCalomel, Wismuthsalze oder Salol, und nur unvollkommen zu erreichen,wobei aber zu fürchten bleibt, dass man den Teufel mit Beelzebub ver-treibt. Um so glücklicher ist es für den Organismus, dass die ver-schiedenen Bacterienstämme im Darm sich schlecht vertragen (ein-ander aufzehren), und dass z. B. eine gewisse Darmdesinfection durchMilch, in Folge Begünstigung von Colibacterien, erreicht werden kann.

Ueber die Desinfection von Blase und sonstigen Harnorganen