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A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
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Einleitung

die ganze Dosis zur Resorption gelangt; auf der anderen Seite ist aberdoch wieder die Resorptionsfläche, die Summe der Capillargefässober-flächen hier viel kleiner als in den Lungen, und endlich möchte vielleichtoft Aerodiffusion in den Lungen, z. B. bei chemischer Affinität des be-treffenden Gases zum Hämoglobin (oder Löslichkeit des dampfförmigeingeathmeten Stoffes in den Fettstoffen der Blutkörperchen), physi-kalisch ein schnellerer Vorgang sein als die Hydrodiffusion einer unterdie Haut gespritzten Lösung eines an Ort und Stelle chemisch in-differenten Stoffes.

In Bezug auf Vollständigkeit sowohl als auch Schnelligkeit der Re-sorption ist dagegen die subcutane Methode wesentlich prompter alsdie Anwendung per os (daher denn auch bei subcutaner Applicationkleinere Dosen genügen, als innerlich); passirt doch bei innerlicherDarreichung oft ein nennenswerther Bruchtheil der Dosis den Magenund den Darm, ohne resorbirt zu werden, während ein anderer Theiltheils durch die Magensäure, theils durch die Verdauungsfermente,theils durch Fäulnissvorgänge im Darm u. s. w. chemisch verändert undsomit ausser Spiel gesetzt wird. Hierzu kommt, dass auch noch eingewisser Bruchtheil des so (innerlich) resorbirten Quantums nicht inden grossen Kreislauf gelangt, sondern mit dem Pfortaderblute zurLeber fiiessend — dort theils (wie Eisenverbindungen und vieles andere)fixirt oder zerstört wird, theils mit der Galle abgeschieden — jeden-falls zunächst dem Gesammtkörper vorenthalten wird, um im letzterenFalle dann je nachdem mit den Fäces den Körper zu verlassen, oderzum Theile immer wieder den Cirkel: Pfortader — Leber — Galle —Darm — Pfortader zu durchlaufen, ohne je beispielsweise mit demHerzen, dem Gehirne oder sonstigen Angriffspunkten seiner Wirksam-keit in Berührung zu kommen. Alles dieses macht, dass bei innerlicherAnwendung einer bestimmten Dosis weniger Substanz in Wirksam-keit tritt, als bei subcutaner.

Die Geschwindigkeit der Resorption ist im Unterhautzellgewebeerfahrungsgemäss viel grösser als im Magen, in welch letzterem die zuresorbirenden Moleküle sich ja auch in grösserer Entfernung von derResorptionsfläche als dort befinden, indem sie hier in dem HohlräumedesMageninnern freie Bewegung haben und erst eine Epithelschicht zudurchsetzen haben, ehe sie an die Capillaren herankommen.

Wie schon angedeutet, hängt die Geschwindigkeit der Resorption(und hierdurch die Schnelligkeit des Eintrittes der Wirkung) auch vonder Natur der dargereichten Substanz ab (Löslichkeit, Diffusibilität,Resorbirbarkeit, welch letztere nicht identisch mit Diffusibilität ist:Kaliumsalze sind diffusibler aber weniger resorbirbar als die entsprechen-