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Einleitung.
Wenn dagegen eine Allgemeinwirkung erzielt werden soll, sohaben wir mehrere Anwendungsstätten ; der directeste Weg das Mittelin die Blutcirculation zu bringen wäre ja die Einspritzung einerLösung dieses Mittels in ein Blutgefäss, z. B. eine Vene; dieser Weg,von einigen französischen Klinikern und neuestens gelegentlich (s. u.Chinin) von einem hervorragenden italienischen Pathologen betreten,ist seiner relativen Bedenklichkeit wegen mit Recht nicht allgemeingeworden, jedoch gibt es immerhin einzelne besondere Fälle, z B.momentaner Lebensgefahr, wo die Gefahr im Verzuge läge, oder beietwaigem Versagen jeglicher Resorption wegen Darniederliegens derCirculation, in denen eine Indication für die intravenöse Injection vor-liegt, zumal wenn man örtlich auf das Blut einwirken will. Hierbeikönnten natürlich nur neutrale Flüssigkeiten und Lösungen zu benutzensein, welche nachweislich keine Blutgerinnung oder sonstige schädlicheBlutveränderung direct verursachen.
Für gewöhnlich bieten sich zur Herbeiführung von Allgemein-wirkungen alle jene Stellen des menschlichen Körpers, an welchen dieArzneistoffe leicht in Diffusions verkehr mit den Capillaren des Blut-,Lymph- oder Chylusgefässsystems treten können: die Application aufdie Haut (mit oder ohne Entfernung der Epidermis) x ), unter die Haut(in das Unterhautzellgewebe), in das Muskelgewebe, in die Lungen-alveolen (Einathmung von Gasen und Dämpfen mit Luft gemischt),die Einführung per os (Resorption vom Magen und Darm aus), peranum (rectum, flexura sigmoidea) führen zu diesem Ziele. Welcherdieser Wege zu wählen sei, wird oft in das Belieben des Arztes ge-stellt sein, theils aber von dem Zustande des Kranken und seiner Or-gane abhängen (bei einem Bewusstlosen z. B. oder schweren Schluck-hindernissen werden wir meist auf die Einführung per os verzichten —desgleichen gelegentlich, um einen empfindlichen Magen zu schonenu. s. w.); zumal wird die Natur der darzureichenden Substanz, z. B.ihr Aggregatzustand, eventuell ihre Unlöslichkeit in Wasser u. s. w.die Wahl einengen.
Diese Wahl der Resorptionsstätte ist von maassgebendem Einflüsseauf die Geschwindigkeit und Vollständigkeit der Resorption,bezw. des Eintritts (und Ablaufs) der Wirkung.
Am schnellsten und vollständigsten kommt die Wirkung zu Stande,
a ) Die Bedingungen zur Resorption von der Hautoberfläche her sind bei intacterEpidermis ziemlich beschränkt, worüber im speciellen Theile besonders zu handelnsein wird. Nach Ablösung der Epidermis, z. B. durch ein Blasenpflaster, werdenalle wasserlöslichen Substanzen ziemlich leicht resorbirt, doch ist diese Applica-tionsweise (epidermatische Methode) ausser Gebrauch.