Einleitung.
Nerven vorüberfliesst, ohne angezogen und gebunden zu werden —und ohne sie daher in ihrer Function zu beeinflussen.
Ein anderes Beispiel für das Elective in der Festhaltung von Stoffenist die Affinität des Jods zum Material der Schilddrüse. Ja es dürftegenügen, an die histologische Färbetechnik zu erinnern, um die Ver-schiedenheit der Affinitäten und damit die mannichfache Auswahl zuveranschaulichen , die die einzelnen Gifte unter den physiologischenApparaten und diese unter jenen treffen. So kann man auch die grosseEmpfindlichkeit der Kinder gegen narkotische Substanzen und ihre un-verhältnissmässig geringe Empfindlichkeit gegen Arsenik und Queck-silber — im Vergleiche zu Erwachsenen — begreifen. Denn selbstver-ständlich müssen die Moleküle in den Aggregaten der Zellen bei demin der Entwickelung und im Wachsthum begriffenen Kinde chemischeUnterschiede im Vergleiche zu denen des fertigen Erwachsenen dar-bieten. Eine besonders scharf ausgeprägte Election werden wir bei denAntitoxinen (z. B. bei Tetanus) kennen lernen. Das Herantreten desArzneistoffes an die Substanz bestimmter physiologischer Apparate be-dingt, wie wir sahen, eine Aenderung der Function, und diese wiedersecundäre, andere Functionsänderungen.
So kann eine Verstärkung der Athembewegungen oder das Auf-treten von Krämpfen in dem einen Falle primäre, im anderen Fallesecundäre Wirkung sein. Ebenso nämlich wie beim Warmblüter jedeErstickung und jede Verblutung oder sonstige plötzliche Unterbrechungder Blutcirculation Athemnoth und Krämpfe verursacht, — ebensomuss selbstverständlich jeder Stoff, welcher den innern Gaswechsel störtoder den Blutumlauf irgendwie, z. B. durch Herzlähmung, zum Still-stande bringt, ebenfalls — aber mittelbar — Athemnoth und Krämpfeveranlassen: secundäre Wirkung des Stoffs. Dagegen gibt es Sub-stanzen (wie Strychnin u. a.), welche unabhängig von jeder Beein-trächtigung der Circulation und des Gaswechsels Krämpfe erzeugen,sobald sie z. B. das Rückenmark oder andere Theile des Nervensystemstreffen: primäre Wirkung. Diese primäre Wirkung sieht man beivielen Stoffen qualitativ gleichartig auftreten, gleichviel ob man dasbetreffende Mittel durch Resorption, mit dem Blute, zur Wirkungsstellegelangen lässt, oder örtlich ebenda applicirt: Strychnin verursacht diegleichen Krämpfe bei localer Application auf das freigelegte Rücken-mark des entbluteten Frosches, wie nach subcutaner Injection am un-verletzten Thiere; bei innerlicher Atropinvergiftung erweitern sich diePupillen ebenso, wie nach Einträuflung einer Atropinlösung ins Augeu. s. w. Aber doch zeigen sich hierbei einige Besonderheiten: so bleibtbei localer Anwendung die Wirkung auf den Ort der Anwendung be-