Einleitung.
dem der betreffende Stoff in die kreisenden Säfte unseres Organismusaufgenommen ist.
Auch bei den örtlichen Wirkungen — und ebenso bei den resorp-tiven — hat man die unmittelbare Wirkung, welche eine chemisch-moleculare Aenderung (oft unbekannter Art) ist, begrifflich zu scheidenvon der erst wieder von dieser abhängigen Aenderung der Functiondes getroffenen physiologischen Apparats und den wieder von dieserFunctionsänderung abhängigen weiterenVorgängen, z.B. Beeinflussungder Blutströmung, Secretionen, nachfolgender Entzündung u. s. w. Dievon der chemischen Einwirkung zunächst abhängigen Functionsände-rungen werden auch als „specifisch-physiologische Wirkungen" be-zeichnet. Als Beispiele von localen specifisch-physiologischen Wir-kungen können dienen: die Wirkungen von Atropin, Eserin u. s. w. aufPupille oder Accommodation bei Einträuflung in das Auge; die ört-liche Gefühllosigkeit nach Einwirkung von Coca'inlösungen; die Röthungnach Berührung mit scharfen Stoffen; die starke Speichelsecretion nachdem Kauen von Gewürzen u. s. w. Solche locale Wirkungen sind zu-weilen — wie das zuletzt erwähnte Speicheln — reflectorisch, alsowieder mittelbar, in anderen Fällen — wie die Pupillenerweiterung nachAtropin — unmittelbar bedingt: im ersteren Falle bleiben — im Thier-versuche — die Wirkungen nach Durchschneidung der centripetalenNerven der betreffenden Stelle aus; im zweiten Falle treten sie auchdann ein.
Auch die Wirkung intravenöser Einspritzung von Lösungen, umlocal auf das Blut und was in ihm ist zu wirken — z. B. Chininlösunggegen die Malariaplasmodien —, gehört hierher.
Wie entstehen die sog. specifisch-physiologischen Wirkungen —gleichviel ob resorptiv oder nach localer Application?
Wie in den verschiedenen Elementarapparaten des Organismus ver-schiedene Functionen und Lebensverrichtungen ablaufen, so sind auchdie chemischen Umsetzungen und das Umsatzmaterial verschieden. DiesUmsatzmaterial hat in seinen Molekeln chemische Affinitäten, die nichtnur beispielsweise in einer Ganglienzelle andere als in einer Drüsenzelleund in einer Nervenendigung sind, sondern auch in den Ganglienzellenverschiedener Function sind sie ungleich und sie sind auch beispielsweisein der motorischen (intramusculären) Nervenendigung verschiedenvon denen im sensiblen oder secretorischen Nerven. Nur so erklärtsich das elective Verhalten zwischen einem bestimmten Stoffe, z. B.Curare, und bestimmten Nervenendigungen (motorischen in querge-streiften Muskeln), während der Stoff an anderen, chemisch jenensehr ähnlichen Aggregaten, z. B. der secretorischen und sensiblen