4 Einleitung.
schaffenheit die Gerinnung des Blutes beschleunigt (Oberflächen-wirkung) und so Blutungen zum Stehen bringt. Hier wirken nichteigentlich die Stoffe als solche auf den Patienten, und eine tiefere Be-ziehung zwischen der angewandten Substanz und dem Leibe des Krankenfindet nicht statt; übrigens werden sie naturgemass nur von Oberflächenher (auch Magen-Darm-Oberfläche u. s.w.) angewandt werden können.Alle anderen Wirkungen vori Arzneimitteln sind chemische.
Man hat ferner zu unterscheiden: unmittelbare und mittel-bare.
Eine besondere Kategorie wird durch Mittel dargestellt, welchez. B. auf die Haut aufgetragen die Krätze zu heilen vermögen. Hierist es nicht sowohl die Wirkung des Mittels auf den krätzkranken Men-schen, als vielmehr die tödtende Einwirkung auf die Krätzmilben,welche diese Stoffe zu Heilmitteln macht. Ebenso ist die Wirkung dergegen die Eingeweidewürmer gerichteten Mittel, obwohl sie denPatienten heilen, doch keine auf den Patienten selber ausgeübte; undwenn gelegentlich doch das körperliche Befinden des Kranken durchsolch ein innerlich gereichtes, wurmwidriges Mittel unmittelbar be-einflusst wird, so sehen wir darin eine unerwünschte Dreingabe.
Sollte es sich thatsächlich herausstellen, dass die Heilwirkung desChinins bei Sumpffiebern nur darauf beruhe, dass es das Malariaplas-modium im Menschen tödtet, schwächt oder unfähig zur Vermehrungmacht, so hätte das Chinin eine unmittelbare Wirkung auf den Pa-rasiten, dagegen auf den Menschen eine mittelbare, und nur dasOhrensausen und der Chininrausch wären die unmittelbaren, aber un-erwünschten Wirkungen. Falls dagegen der innere Vorgang jener Heil-wirkung dahin aufgeklärt werden sollte, dass das Chinin zunächst dasmenschliche Protoplasma oder die Körperflüssigkeiten selber, als einenbis dahin günstigen Nährboden des Malariaplasmodiums, verändert undaus ihnen einen für den Parasiten ungünstigen Nährboden macht oderdie Erzeugung parasiticider Stoffe seitens des Organismus steigert, — sowürde diese Wirkung als eine unmittelbar auf den Menschen gerichtetezu bezeichnen sein.
Dagegen gibt es eine grosse Zahl von Arzneiwirkungen, bei deneneine unmittelbare Wechselbeziehung zwischen dem Mittel und demmenschlichen Organismus sichergestellt ist.
Diese „Wirkungen" im engeren Sinne können nun geschiedenwerden erstens in örtliche, d. h. solche, welche nur am Orte der An-wendung, nur an dem Körpertheile zu Stande kommen, auf welchendieSubstanz applicirt worden ist, — und zweitens in allgemeine oderresorptive Wirkungen, d. h. solche, welche sich erst entwickeln, nach-