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4 (1926) Normale und pathologische Physiologie : Hygiene ; ausgewählte Untersuchungsmethoden ; Grundlagen und Richtlinien der Therapie
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Vorwort.

Die Beziehungen der wissenschaftlichen Pharmazie zur Medizin haben inder Neuzeit gegenüber früheren Zeiten stärkere Berührungspunkte gefundenund damit auch eine Vertiefung erfahren. Es hat sich gezeigt, daß der praktischeArzt nicht nur durch seine Ordinationen mit dem Apotheker in ein bestimmtesVerhältnis zu treten braucht, sondern dieser jenem auch wertvolle Dienste eistenkann bei der Stellung und Sicherung von Diagnosen. Physiologische Unter-suchungen von Harn, Magen- und Darmsaft, Faeces, Sputum usw worin derApotheker heute eine weitgreifende Ausbildung erfahren kann, befähigen inn,bei gleichzeitigem Besitz tüchtiger chemischer Kenntnisse ein nicht zu unter-schätzender Mitarbeiter des Arztes zu werden.

Aber auch noch in anderer Beziehung haben sich gemeinsame Arbeitsgebietefür Pharmazie und Medizin in der Neuzeit ergeben.

Mit der Ausdehnung der Heilmethoden und der zu ihrer Ausfuhrung be-nötigten Arzneistoffe hat die Therapie vielfach ganz neue Wege beschritten.Man braucht nur die Namen Serum- und Immunotherapie, OrganotherapieChemotherapie, Reiztherapie zu nennen, um zu verstehen, daß es wünschenswertist, wenn die hierfür benötigten Arzneistoffe von dem dispensierenden Apothekergekannt sind und bis zu einem gewissen Grade auch beurteilt werden können.Des weiteren, die Pharmakologie hat sich in den letzten Jahrzehnten zueiner Wissenschaft von anerkannter Bedeutung entwickelt und Methoden ge-schaffen, die uns in die Lage versetzen, auf biologischem Wege Prüfungs- undWertbestimmungsmethoden für Arzneistoffe anzuwenden, die der chemischenBeurteilung bisher widerstanden. Es geht daher nicht länger an, daß derPharmazeut über die Lehren und Methoden der Pharmakologie zur Wert-bestimmung von Arzneistoffen in Unkenntnis gehalten wird.

Auch unterstützen pharmakologische Kenntnisse, insbesondere das Studiumder Zusammenhänge zwischen chemischer Konstitution und physiologischerWirkung, die Bemühungen des pharmazeutischen Chemikers, auf synthetischemWege chemische Arzneistoffe von beabsichtigter Wirkung zu schaffen, nichtum das große Heer oft zweck- und wirkungsloser Arzneistoffe unnötig zu ver-mehren, sondern um auf wissenschaftlicher Grundlage an der Entwicklung derArzneimittellehre mitzuarbeiten.

Die Sorge mancher praktischen Ärzte, daß durch eine zu weit gehendeKenntnis des Apothekers in pharmakologischen Dingen und in der Therapiedieser veranlaßt werden könnte, dem Arzte in der Krankenbehandlung un-erwünschte Konkurrenz zu machen, beginnt in den Kreisen der einsichtsvollenund vorurteilsfreien Ärzte allmählich an Boden zu verlieren.