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1 (1924) Praktische Pharmazie
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Deutschlands Kolonialarbeit vor dem Weltkriege

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Wirkung das Diphtherietoxin rechtzeitig zu entgiften. Wenn heute der Weltmarktüber gesunde anregende Stimulantien, Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade, Tabakverfügt, die eine gigantische Weltindustrie mit einem Millionenheer von Arbeiternins Leben gerufen haben, so ist das zurückzuführen auf das Studium derGebräuche der Naturvölker durch die Missionare. Dadurch erhielt auch die Weltdas kostbare Chinin. Die reichen Diamantenlager in Südwestafrika, die 1908gelegentlich der Eisenbahnbauten im Sande des Hinterlandes von Lüderitzbuchtentdeckt wurden, verdanken wir der Augenkraft eines Schwarzen und seinerBeobachtungsgabe. Über das Vorkommen von Gold an der Goldküste warendie Eingeborenen seit Alters genau orientiert, ebenso wie über das Vorkommenvon Erdöl in Kamerun. Diese Erdölquellen in Westafrika werden von größterBedeutung werden für die Kriegs- und Handelsschiffe, Lokomotiven, Kraftwagen,Tauchboote, Flugzeuge, Motorpflüge, die in Zukunft aus technischen Gründenimmer mehr mit Heizöl oder Benzin versorgt werden. So kannten die Ein-geborenen auch die Kohlensäurequellen im Urwaldgebiet. Dieses kohlen-säurereiche Eisenwasser ist für die Anämie in den Tropen ein Heilquell,wie die Pyrmonter Eisenquelle seit Jahrhunderten ein Heilborn für MillionenKranke geworden ist.

Ein flüchtiger Rückblick in die Entwicklungsgeschichte der deutschenGaue zeigt, daß das deutsche Volk von altersher kolonisatorisch tätig war. DieGeschichte der Fugger, Welser, Hanseaten lehrt, daß die Deutschen ebensounternehmungslustig und tüchtig waren, wie im Altertum die Phönizier.

Die beispiellose Treue der Afrikaner läßt erkennen, daß die deutsche Re-gierung und Mission auf dem richtigen Wege war, in der Behandlung und Er-ziehung der Eingeborenen zur Kultur und Arbeit. Nicht Ausrottung der Ein-geborenen, sondern deren Erhaltung und Fürsorge für ihre Gesundheit undVermehrung war die von Bismarck ausgegebene Weisung für die deutscheKolonialarbeit. Diese Kolonialpolitik entsprach dem Gebot der Klugheit, weil imTropenkhma unter der steten Reizwirkung der Sonnenstrahlen auf Auge undGehirnhaut dauernd nur die farbigen Eingeborenen erfahrungsgemäß schwerekörperliche Arbeiten ausführen können, nie aber weiße Europäer, die keinennatürlichen Sonnenstrahlschutz haben! Die Erfahrung lehrt,daß-die Europäer in Westafrika schon nach Jahresfrist einen Klimawechselvornehmen müssen, da sie sonst Gefahr laufen, neurasthenisch und anämischzu werden und die Arbeitslust und Arbeitsfähigkeit nachläßt. Daherwechseln in Lagos die Engländer alljährlich am 1. Januar das Personal. DieVeröffentlichungen der Gouverneure von Togo und Kamerun, der Grafv. Zech und J. v. P u 11 k a m e r, über die Klimafrage, beweisen, daß dieEngländer von Lagos auf Grund lOOjähriger Erfahrung den rechtzeitigen Klima-wechsel im Interesse der Erhaltung der Gesundheit und Arbeitsleistung derEuropäer vorgenommen haben.

Vor dem Weltkriege ist wiederholt von anderen Kolonialverwaltungen,namentlich von holländischer und englischer Seite, die erfolgreiche Tätigkeitder deutschen Forschungsinstitute, besonders des weltbekannten InstitutesA m a n i in Ostafrika, anerkannt worden.

Durch die Arbeiten der deutschen Institute und Versuchsstationen, derenErgebnisse fortlaufend in den Gouvernementsblättern und dem in allen Kolonial-staaten gelesenen „Tropenpflanzer" veröffentlicht wurden, sind nicht nur in allendeutschen Kolonien, sondern auch in fast allen tropischen Rohstoffländern