303
einige Zellen nehmen kollenchymatische Gestalt an. Noch"weiter nach innen weichen die Zellen auseinander und esbereitet sich das reich durchlüftete Gewebe der inneren Schichtder Fruchtschale der reifen Frucht vor. Die "Wände dieserZellen quellen in Kali. Gefäfsbündel, deren Äste meist radialstreichen, durchziehen das ganze Gewebe der Fruchtwand,besonders die äufseren Schichten (Fig. 31 und gfb, Fig. 36).Das ganze Parenchym enthält (übrigens schon zur Blütezeit)reichlich Hesperidin. In der Droge, die 10 Proz. davonenthält, findet man dasselbe zu unregelmäfsigen Schollen (He,Fig. 37) eingetrocknet, die nur selten kristallinisches Gefügezeigen. Legt man jedoch frische Früchte in Alkohol oderweicht die Droge 24 Stunden in "Wasser ein und übergiefstdann mit Alkohol, so kristallisiert das Hesperidin in schönenSphaerokristallen (Fig. 40 u. 37, He,) aus, die sich mit leb-haft gelber Farbe leicht in verdünntem Kali lösen und ihreninneren Bau (radial gestellte Nadeln und konzentrische Schich-tung) beim Zusatz von Salpetersäure verraten. Das meisteHesperidin enthalten Früchte von 5 —15 mm Durchmesser.Die Früchtchen sind gewöhnlich achtfächerig (Fig. 25 u. 31)und enthalten in den Fächern entweder stark geschrumpfteoder ganz geschwundene Ovula oder junge unreife Samen.In die Fruchtfächer ragen von aufsen her eigentümlich ge-staltete, keulenförmige Gebilde, sogen. Zotten, die als Frucht-wandpapillen bezeichnet werden mögen {Fpap, Fig. 31 u. 3G)und den Charakter von Emergenzen besitzen. Dieselbenwerden schon frühzeitig, vor Befruchtung der Ovula, angelegt[Fpap, Fig. 25) und entstehen zunächst dadurch, dafs siclieinige Zellen der inneren Epidermis der Fruchtwand streckenund teilen und dann auch die subepidermalen Zellschichtensich an dieser Streckung und Teilung beteiligen und so dieBildung kleiner Höcker (Fpap, Fig. 25) hervorrufen, als welchedie Zotten im reifen Fruchtknoten erscheinen. Diese Höckerwachsen nun ziemlich rasch zu zunächst kegeligen, dannkeulenförmigen Zotten (Fpap, Fig. 36) heran, so dass schondie Fächer der kleinen unreifen Früchtchen aufsen dicht mitdiesen Zotten ausgekleidet sind (Fpap, Fig. 31), die man schonmit blofsem Äuge als kleine haarartige Gebilde wahrnehmenkann. Diese Papillen wachsen zum Fruchtfleischheran. Sie strecken sich stark und verdicken sich, und ihrInhalt, der anfangs reichlich Hesperidin, dann transitorischeStärke führt, wandelt sich zum Teil in Zucker um. Manerhält mit alkalischer Kupferlösung starke Reduktion (besondersstark bei der Apfelsine).
Gleichzeitig entstehen aus farblosen Leukoplasten zahl-reiche gelbliche Chromatophoren, die zwar sehr klein sind,aber deutlich kristallinische Gestalt besitzen (Fig. 39). Diesebedingen die gelbe Farbe der Zotten der reifen Frucht. Zu-nächst erscheint der Querschnitt der jungen Zotten rundlich(Fig. 44) und die Zellen zeigen keine Differenzierung. Später,wenn die Zotten weiter heranwachsen, müssen sie sich in denRaum teilen und sie platten sich gegeneinander etwas ab.Dadurch erscheint ihr Querschnitt etwas eckig (Fig. 45). DieNotwendigkeit, sich in den verfügbaren Raum zu teilen, führtaber auch dazu, dafs nur der gegen die Spitze hin liegende
Teil der oft bis 15 mm langen Zotte sich keulig verdickt.Die Basis bleibt bei den längeren stets schlank. So kommtes, dafs die langen, radial gestellten Fruchtfleischzotten allegestielt erscheinen (Fig. 32 u. 33). Dafs sie alle an deräufseren "Wand und an den äufseren Partien der Seitenwändeentspringen, kann man auch an der reifen Frucht einerOrange und Apfelsine noch leicht konstatieren (X, Fig. 32 u.33), besonders wenn man die Früchte welken läfst. Beider reifen Frucht ist auch das Gewebe der Zotten differen-ziert. Man erkennt deutlich eine kleinzellige, subepidermale,faserartige Randschicht fast sclerenchymatischer Zellen undeine grofszellige, dünnwandige, saftstrotzende, centrale Partie.In letzterer namentlich liegen die Chromatophoren (Fig. 45).Die ersten Phasen der Entwickelung der Zotten zeigt Fig. 36,I — IV. In den Zotten findet man auch Kalkoxalatkristalle.
Neben den Fruchtfleischzotten entstehen nun auch nochandere Gebilde an den Aufsen- und besonders den Seiten-wänden der Fruchtfächer. Man könnte dieselben als Schleim-zotten bezeichnen (Fig. 36 u. 38). Die ersten Stadien ihrerEntwickelung gleichen denen der Fruchtfloischzotten. Aberschon frühzeitig entwickeln sie sich in anderer Richtung-weiter. Die Randzellen der keulenförmig anschwellendenSpitze stülpen sich papillenartig aus und es entsteht so ander Spitze ein eigenartiger Glomerulus (Schx, Fig. 36). Später-hin scheinen diese Spitzenpapillen Schleim abzusondern. Manfindet wenigstens in den Köpfchenzellen eigentümlich spiraliggekrümmte Gebilde (Fig. 36b), ähnlich denen, die auch beianderen Schleimzotten beobachtet werden, oder dicke Schleim-membranauflagerungen, die bewirken, dafs zwischen dendurchscheinenden Zellen solche mit hellem lichtbrechendenInhalte erscheinen (y, Fig. 36), welche wie kleine Schleim-klumpen aussehn. Schliefslich klappt die Spitzenzelle zu-sammen und man sieht am oberen Rande der Zotte zahlreicheeingestülpte Zellen (x, Fig. 38), die demselben ein sehr eigen-artiges Aussehn verleihen. Vielleicht haben diese Schleim-zotten den Zweck, das ganze Fruchtknotenfach schlüpfrig zumachen, damit die von aufsen nach innen vordringenden undsich sehr frühzeitig fest ineinander schiebenden und anein-ander pressenden Fruchtfleischzotten leichter aneinander vor-beigleiten und nicht einander zerquetschen.
Jedenfalls wird das Fruchtknotenfach auch noch durchfolgenden anderen Vorgang schlüpfrig gemacht. An derInnenwand der Fächer, dort wo die Ovula sitzen, findet manzahlreiche einzellige Haare (lt, Fig. 35 u. 31), die wir obenals „Leithaare" bezeichnet haben, da sie in unmittelbarer Be-ziehung zum leitenden Gewebe des Griffels stehen. DieseHaare verschleimen bald nach der Befruchtung der Ovulaund schon frühzeitig findet man an ihrer Stelle einen grofsenhyalinen Schleimklumpen, in dem sich zahlreiche fädige Ge-bilde bemerkbar machen. Doch sind Reste der Leithaareauch in halbreifen, ja selbst in ganzreifen Früchten zu finden.
Das Gefäfsbündelsystem der unreifen Früchtchenentspringt an der Basis der Frucht von acht Bündeln, dievom Fruchtstiele aus in die Basis des Früchtchens eintreten.Schon hier gabeln sich diese acht Bündel. Acht innere