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Anatomischer Atlas der Pharmakognosie und Nahrungsmittelkunde : mit 81 Taf.
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knoten, so kann man das leitende Gewebe (Fig. 14, 21, 22)vortrefflich verfolgen: die Narbenpapillenschicht senkt sichnämlich an acht Stellen gewissermafsen in das Griffelgewebehinein und dringt bis in die Fruchtknotenfächer hinab. Durch-schneidet man die Narbe zunächst im obersten Teile (bei«, Fig. 13 u. 14), so sieht man an dem betreffenden Schnittein der Mitte die grofse Trichteröffnung (x, Fig. 21) und vondieser gehen acht Kanäle hinab (y, Fig. 21). Dieselben werdenweiter nach unten zu eng und spaltenförmig und bilden dannlange, radial gestaltete, gewundene Kanäle (l, Fig. 21). Zwischendenselben liegen acht Doppelbündel. Etwas tiefer, etwasweiter nach unten (bei ß, Fig. 13 u. 14), sieht man die ge-wundenen Streifen des leitenden Gewebes noch sehr deutlich(l, Fig. 22). Namentlich treten dieselben dadurch sehr klarhervor, dafs sie von einer Schicht palissadenartig gestreckterZellen begrenzt sind. So oder doch sehr ähnlich bleibt nundas leitende Gewebe durch den Griffel hinab (Fig. 14) erhalten,nur werden die Streifen des leitenden Gewebes kürzer undgerade und orientieren sich um die freie Mitte wie die Speicheneines Eades. Erst oberhalb des Fruchtknotens verändert sichdas Bild. Hier werden die Streifen zunächst ganz kurz(/, Fig. 23). Wie in der Eöhre eines Trichters werden hieralle von oben herabkommenden Pollenschläuche gesammelt.Während die Äufnahmsfläche für die Pollenschläuche auf derOberfläche der Narbe sehr grofs ist, ist die Eintrittsstelle desdie Pollenschläucheleitenden Gewebes" in die Fruchtknoten-fächer sehr klein und eng. Da diese Stolle unmittelbar überder Anheftung der Ovula und über der Mikropyle derselbenliegt (Fig. 24 u. 25), so werden also die Pollenschläuche,die in dem leitenden Gewebe abwärts wandern, ohne Aus-nahme direkt zur Mikropyle geführt. Eine weitere Einrich-tung macht dies noch leichter möglich. Dort, wo das lei-

tende Gewebe an der Spitze der Fruchtknotenfächer in dieseeintritt, sind die Fächer mit einem dichten Filz langer Haareausgekleidet (U, Fig. 24 u. 31), die auch die Basen der Ovuladicht umgeben (Fig. 24, 25 u. 35). Wir dürfen diese alsLeithaare" betrachten, denn die in den Spalten herabkom-menden Pollenschläuche werden durch sie zur Mikropyle ge-führt. In der Randschicht der Narbe liegen einige wenigegrofse Sekretbehälter (seb, Fig. 21 u. 22), der Griffel ist freivon Sekretbehältern, im Fruchtknoten liegen aber wieder zahl-reiche in der Randpartie (Fig. 23 25). Dort, wo das lei-tende Gewebe in die Fruchtknotenfächer eintritt, ist dasFruchtknotengewebe von zahlreichen Bündeln unregelmäfsigdurchzogen (gfb, Fig. 23). Etwas tiefer laufen acht Vertikal-stränge (einfache oder gedoppelte) zwischen den Fächern unddiese Stränge stehen durch Horizontalstränge mit dem Bündel-netz des Randes in Verbindung (Fig. 24). Noch tieferdort, wo die Ovula sitzen treten die Vertikalstränge vordie Fächer (Fig. 25) und so entsteht ein innerer Bündelkranz,der auch die Ovula versorgt. Aufserhalb der Fächer, der Mittederselben entsprechend, laufen dann wieder acht Längsbündel(y, Fig. 25) und am äufseren Eande der Fachwände ebenfalls achtkleinere Bündel. Diese beiden letzteren versorgen das reich-verzweigte Anastomosennetz der Randschicht (Fig. 25). Injedem Fache liegen je zwei Ovula nebeneinander (Fig. 25, ov)und etwa drei bis vier in jeder Reihe übereinander.

Die Ovula (Fig. 35) sind anatrop und besitzen zweiIntegumente. Sie sind in ihrer Basis dicht mit Leithaaren(lt, Fig. 35) umgeben.

Die Entwickelung der Ovula zu den Samen wird weiterunten beschrieben.

Der Diskus (Fig. 9 u. 13) besteht aus parenehymatischemGewebe.

Fruct. aurantii immatur.

Unreife Pomeranzen, Orangettes.

Die Entwickelung des Fruchtknotens zur Frucht geht nachdem Abfallen der Staubfäden, des Griffels und der Blumen-blätter vor sich. Als Fruct. aurantii immaturi werdennamentlich die unreif abfallenden, jungen, grünlich-braunen,von Diskus und Kelch losgelösten Früchtchen (Beeren) benutzt,die je nach dem Zustande der Reife einen sehr verschiedenenDurchmesser besitzen. Der Durchmesser schwankt zwischen8 und 20 mm. Sie besitzen an der Basis eine breite, acht-strahlige Stielnarbe, an der Spitze die kleine helle Narbe desabgefallenen Griffels.

Die Entwickelung der Fruchtknotenwand, deren allgemeineBauverhältnisse man aus Fig. 25 ersieht, zur Fruchtschale,geht in folgender Weise vor sich. Die äufsere Partie, in derdie Ölbehälter (sc6, Fig. 24 und 25) liegen, verändert sichwenig. Die Zellen teilen sich reichlich (Fig. 36), bleiben

aber zunächst parenehymatisch. In den unreifen Orange-früchten sind sie kaum verdickt (Fig. 36). Die Zahl derÖlbehälter vermehrt sich nach Befruchtung der Ovula nochnicht unbeträchtlich, so dafs in den unreifen Flüchten ziemlichviele zu finden sind. Dieselben (seb, Fig. 37) liegen in ein-facher oder doppelter Reihe in der Randzone (seb-, Fig. 31).Aufserlich markiert sich ihre Lage durch zahlreiche kleineGruben auf der Oberfläche. In der aus polyedrischen Zellenaufgebauten Epidermis (Ep, Fig. 37) liegen ziemlich vieleSpaltöffnungen (st, Fig. 37) und die Epidermis sowohl wiedie subepidermale Zellschicht enthält gelbe und grüne Chro-matophoren. In den etwas tiefer liegenden Zellschichtenfinden sich Oxalatkristalle in eigenartigen Cellulosetaschen{Kr-, Fig. 37). Etwas weiter nach innen, schon am innerenRande der Sekretbehälter wird das Gewebe dickwandiger und