Druckschrift 
Anatomischer Atlas der Pharmakognosie und Nahrungsmittelkunde : mit 81 Taf.
Entstehung
Seite
18
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

18

führen die Zellen nicht. Ihre Länge beträgt (im verdicktenTeile) 1320 mik, der Durchmesser 57 mik.

Ans dem Flächenschnitte ergiebt sich, dafs etwa 60 Scle-reiden von einer Zelle des Schleimepithels bedeckt werden.

Unter der Sclereidenschicht liegt die Pigmentschicht(Kg. 12 und 13, pig), deren Zellen im Querschnitt etwa dieBreite der Schleimzellen haben oder schmäler sind, aber etwasin die Länge gestreckt erscheinen. Ihre Membranen sinddünn. Jede Zelle enthält einen braunen Farbstoffklumpen, dersich mit Eisenchlorid blau färbt und von Kalilauge langsamund nicht vollständig gelöst wird. Diese Schicht bedingt (inKombination mit der Sclereidenschicht) die braune Farbe derSamen.

Dann folgt die sogenannte Kleber Schicht (Ölschicht,Fig. 12 u. 13, kl), gebildet von etwa isodiametrischen dick-wandigen, 24 bis 35 mik breiten Zellen, von denen (in derFlächenansicht) etwa 10 von einer Grofszelle bedeckt werden.Sie fehlt dort, wo Mikropyle und Hilura zu suchen ist.

Betrachtet man den Inhalt dieser Zellen unter dickemGlycerin oder fettem Öl, so sieht man in ihnen eine grofseMenge eckiger Körner, die sich durch Jod tief gelb färben,eingebettet in eine durchsichtige, scheinbar homogene Masse(Fig. 12, kl. g). Läfst man nun zu dem in Glycerin liegendenSchnitte vorsichtig Wasser zufliefsen, so sieht man wie so-bald der erste Tropfen Wasser hinzutritt, diese Körner sichauflösen, und nun erscheint ein Netzwerk feiner Fäden in derZelle, hier und da ist schon jetzt ein Tröpfchen wahrzunehmen(Fig. 12, kl. w). Läfst man nun konzentrierte Schwefelsäurezum Präparate treten, so treten aus dem Netzwerk dort, woes gerissen ist, Öltröpfchen hervor (Fig. 12, kl. sh). Ist derZellinhalt jedoch intakt, so bleibt das Ganze nahezu unver-ändert erhalten und bildet, nachdem die Cellulosemembranaufgelöst, einen ovalen netzigen Ballen (Fig. 13, kl. b). So-bald man aber mit dem Deckgläschen einen Druck auf dasPräparat ausübt und so den isolierten Zellinhalt zertrümmert,treten aus dem Maschennetze unzählige Öltröpfchen hervor.Auch jetzt bleibt das Netzwerk, oftmals wenigstens, nochstreckenweise erhalten.

Aus diesem Verhalten geht hervor, dafs der Hauptbestand-teil dieser Zellen fettes Öl ist, neben diesem kommen in"Wasser lösliche Eiweifskörper in Körnerform darin vor undein, wie die Eeaktionen zeigen, sehr resistenter, Proteinkörperals Grundsubstanz. Denn mit Jod und Millon's Reagens er-hält man in dem Zellinhalte, besonders aber in jenem Netzdeutliche Eiweifsreaktion oder richtiger gesagt eine Gelb- bez.Rotfärbung. Denn es darf als ausgemacht gelten, dafs nichtnur Eiweifssubstanzen diese Reaktionen geben. Es istaus verschiedenen Gründen nicht ganz unwahrscheinlich, dafsder wasserlösliche Körper ein Ferment ist. Kleber fehlt derSchicht gänzlich. Es ist daher unrichtig, diese SchichtKleber-schicht" zu nennen. "Wenn man ihr durchaus einen Namengeben will, so müfste man sie nach dem HauptbestandteileÖlschicht" nennen. Ganz ähnlich verhält sich übrigens dieebenfalls fälschlich Kleberschicht genannte äquivalente Zonebei den Cerealien.

Die nun folgende, stark lichtbrechende Zone ist als Nähr-schicht (Angew. Anatomie S. 459) anzusprechen. Entwick-lungsgeschichtlich bildet sie mit derÖlschicht" (kl) das innereIntegument (Fig. 11, leg. 2). Diese Zone bleibt alsinnereSamenhaut" zwischen Radicula und den Kotyledonen als zartesHäutchen erhalten (Fig. 1 und Fig. 12 bei N). Die Zellen sindstark kollabiert. Ihre Lumina sind nur als zarte Linie zu er-kennen. Endosperm fehlt.

Der Samenkern besteht aus den gefalteten Kotyledonenund der Radicula. Die Blattoberseite ist bei den Kotyledonenschon im Samen deutlich von der Unterseite differenziert: diepalissadenartige Streckung einer oder mehrerer subepidermalenReihen tritt klar hervor (Fig. 1), die Oberseiten der Blätterliegen einander an. Es liegt also die Oberseite bei dem äufserenKotyledon an der Innenseite, bei dem inneren an der Aufsen-seite (Fig. 1). Zarte Prokambiumstränge durchziehen die Koty-ledonen (Fig. 15). Dieselben worden, wenn die Keimblätterbei der epigäen Keimung infolge Streckung des Hypokotylsüber die Erde treten (Fig. 810) und ergrünen, sehr bald zuGefäfsbündeln.

Die Radicula führt einen centralen Prokambiumstrang, derbereits deutlich diarclien Bau (Angew. Anatomie, S. 366) zeigtund auch schon Perikambium und Endodermis erkennen läfst(Fig. 14). Die Epidermiszellen der Radicula und der Kotyle-donen sind isodiametrisch-tafelförmig.

Der Inhalt der Zellen ist Aleuron, fettes Öl und Plasma,welch' letzteres man durch Zusatz von Essigsäure zu dem(durch Alkohol vom Öl befreiten) Schnitte als zartes Netzsichtbar machen kann (Fig. 15 bei a). Nur in zwei (wohl nichtganz reifen) Samen fand ich Stärkekörnchen, Überreste derStärke der unreifen Samen (s. oben). Ein Zellkern liegt indem Plasmagerüst. Die Aleuronkörner sind im Maximum8 mik breit und 16 mik lang und sehr mannigfach gestaltet,rundlich, verzogen, gekrümmt und gelappt, meist mit sehrunregelmäfsigen Umrissen. Die grofsen Aleuronkörner werdenvon einigen wenigen, sehr viel kleineren rundliche n. Körnernbegleitet. Sie enthalten in der Grundmasse zahlreiche, sehrldeine Globoide (Fig. 12 u. 16). Einige Zellen der Radiculaund der Kotyledonen, die in ihrer Form nicht wesentlich vonden übrigen abweichen (Fig. 15,/"), enthalten andere (durchJod tief gelb sich färbende) Eiweifskörper als die Mehrzahl derZellen. Während sich die normalen Aleuronkörner in ver-dünnter Essigsäure lösen, bleiben diese darin ungelöst undlösen sich auch nicht, weder in Alkohol, noch in Glycerin.Durch Orcin-Salzsäure konnte Färbung nicht erhalten werden.Diese Zellen als Fermentzellen und ihren Inhalt als Ferment(Myrosin) zu betrachten, lag nahe. Die eben angeführtenReaktionen zeigen jedoch, dafs sich der Inhalt nicht wie einFerment verhält. Immerhin läfst sich durch einen Versuchfeststellen, dafs das Myrosin (neben dem myronsauren Kali)in Kotyledonen und Radicula seinen Sitz haben mufs, dennwenn man die Samen von der Schale befreit, so tritt beimZerquetschen mit Wasser der Senfölgeruch besonders beimErwärmen ebenso hervor, wie wenn man die Samen mit derSchale in "Wasser zerquetscht.