Tafel 5.
Sem. sinapis uigr.
Schwarzer Senf, Moutarde noire, Black mustard.
Der Fruchtknoten von Brassica nigra Koch (Sinapisnigra L) ist durch eine falsche Scheidewand in zwei Längsfächergeteilt (Fig. 7). Die kamptotropen Ovula (Fig. 3 a) liegen baldnur in dem einen, bald in beiden Fächern (Fig. 4). Sie be-sitzen einen sich später verlängernden Funiculus und zweiIntegumente, von denen das innere etwas breiter ist als dasäufsere und die beide reichlich mit Stärke erfüllt sind. Nacherfolgter Befruchtung zeigt das äufsere Integument 4 Zell-reihen (Fig. 11), von denen die äufsere sich zur Schleimepi-dermis, die zweite, inhaltsfreie, zur Grofszellschicht, die drittezur Seiereiden- und die vierte zur Pigmentschicht entwickelt.Das innere Integument besteht zu dieser Zeit aus etwa 5 bis6 Zellreihen. Von diesen bleibt nur die äufserste erhaltenund wird zur Aleuron(Öl)schicht (s. unten), die inneren Zellreihen(„Nährschicht") obliterieren bald und sind nur als kollabierteZone am reifen Samen zu finden (Fig. 12, N). Das innere Inte-gument ist in den Nucellus vorgestülpt (Fig. 3 a) und seineBeste bleiben daher als Samenhautreste auch im reifen Samenzwischen Badicula und den Kotyledonen sichtbar (Fig. 1). DasEndosperm wird vollständig resorbiert.
Die Fruchtschale der reifen Frucht ist von einer aufsensehr stark verdickten Epidermis bedeckt, im übrigen ist sie — bisauf eine rings umlaufende, nur an der Vereinigungsstelle derCarpelle unterbrochene, aus Palissadensclereiden bestehendeinnere „Hartschicht" — parenchymatös, von zahlreichen ana-stomosierenden (Fig. 4, frs) Gefäfsbündelchen durchzogen undan der durch eine Längsrippe kenntlichen Mittelrippe der Car-pelle mit einem gröfseren Bündel (Hauptnerv) versehen. DerQuerschnitt der Frucht ist rundlich-rhombisch. Im Parenchymliegen kurze „Eiweifsschläuche".
Da die Carpelle an den Vereinigungsstellen nur lockermiteinander verwachsen sind, so lösen sich die beiden Schalenim Zustande der Beife leicht von der stehenbleibenden, dieSamen und den Griffel tragenden Scheidewand los und fallen ab.
Die Samen sind etwa 1,5 mm lang und etwa 1 mg schwer,tief rotbraun, mit der Lupe betrachtet fein netzig-grubig, daund dort weifs - schuppig (von abgelöster Schleimepidermis,s. unten). Das Hilum ist als zarter Nabel sichtbar, auch dieBadicula markiert sich oft auch auf serlich. Die braune Samen-schale haftet ziemlich fest an dem gelben Samenkern, dochläfst sich letzterer aus derselben herauslösen und zeigt nun(Fig. 5) die für die Abteilung der Orthoplocae charakteristischeFaltung der Kotyledonen um die Badicula (Fig. 1 u. 5). Diebeiden Kotyledonen sind an ihrer Mittelrippe gefaltet undstecken ineinander, das innere umgiebt die rundlich dreieckigeBadicula auf zwei Seiten. An der Spitze der Badicula liegtzwischen den Ansatzstellen der Kotyledonen die kleine kegel-förmige Plumula (p in Fig. 6).
Die Epidermis der Samenschale wird von grofsen, nahezuisodiametrischen, 55 : 80 mit weiten Zellen gebildet, deren
Tschireh und Oesterle, Anatomischer Atlas.
sekundäre Verdickungsschichten an Aufsen- und Seitenwandsehr stark verdickt sind und in Wasser quellen (Sehleim-epidermis) (Fig. 12 u. 13, sohle), aber auch in Alkohol be-trachtet, die Zelle nahezu (bis auf einen kleinen Spalt ander Innenwand) erfüllen. Schichtung ist an den Schleim-membranen sehr schwer zu sehen, am besten noch in kon-zentriertem Clycerin und nach successiver Behandlung mitAlkohol und Wasser. Beim Quellen in Wasser hält die Kuti-cula Stand und wird nicht zersprengt. Überhaupt ist dasQuellungsvermögen kein sehr starkes. Gegen Jod alleinreagieren diese Schleimzellen nicht oder docli nur schwach(blau), bei Behandlung mit Jod-Schwefelsäure zeigen sie aberBläuung. Gegen polarisiertes Licht reagiert die verschleimteMembran nur schwach. Von der Fläche unter Alkohol be-trachtet erkennt man, dafs die Aufsenwand der Schleimzellenvon zahlreichen, nahezu parallelen spaltenförmigen Tüpfelndurchzogen ist, die bei Wasserzutritt infolge der Quellungverschwinden. (Unterschied vom weifsen Senf.)
Unter diesem Sehleimepithel liegt eine subepidermaleBeihe 67 : 100 mik weiter Zellen — die „Mittelschicht" (Grofs-zellschicht), Fig. 12 u. 13, gr —, deren Form meist erst beiZusatz von Kali zum Präparat deutlich wird. Für gewöhn-lich sind sie stark zusammengefallen und liegt ihre Aufsen-membran alsdann der Aufsenmembran der nächstfolgendenZellreihe dicht an. Diese Schicht und das Schleimepithelbewirken die feine netzig-grubige Zeichnung der Samenober-fläche. Es stülpt sich nämlich, wie Fig. 12 auf der rechtenSeite zeigt, das Schleimepithel buchtig in die inhaltsfreienGrofszellen hinein. So entstehen grubige, mit der Lupe wahr-nehmbare Vertiefungen auf der Samenschale.
Nun folgt die im Samenquerschnitt bogenförmig ver-laufende Sclereidenschicht (Fig. 12 u. 13, sei). Die Zellen der-selben sind mehr oder weniger, am stärksten dort, wo die Seiten-wand der darüberliegenden Zelle ansitzt, am wenigsten in derMitte zwischen zwei Ansatzstellen, radial gestreckt (daher vor-schieden hoch) und ungleichmäfsig verdickt. Zu äufserst und anden obersten Teilen der Seitenwand sind sie unverdickt, dannfolgt ein sehr dicker Bingwulst und an der Innenseite undden inneren Teilen der Seitenwand ist die Verdickung wiederetwas geringer als in dem Wulst. An den verdickten Partiender Seitenwände ist die Begrenzungslinie der Zellen nur sehrundeutlich zu sehen. Auch auf der Flächenansicht sieht mandieselbe kaum viel deutlicher. Hier erkennt man jedoch, dafs dieSclereiden von isodiametrischem Querschnitte sind. Bei höch-ster Einstellung sieht man den oberen Teil der Zelle als zarteKontur, bei etwas tieferer treten die rundlichen Lumina her-vor (Fig. 13, sei).
Die Membranen der Sclereiden sind gelb gefärbt undwerden (wohl infolge von Fhlobaphenen) durch Eisenchlorid blau.Im polarisierten Licht leuchten sie mit gelber Farbe. Inhalt