Druckschrift 
Die Aufgaben der heutigen wissenschaftlichen Pharmacie : Vortrag, geh. auf der Hauptversammlung der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft im Hofmann-Haus zu Berlin am 14. Dezember 1901
Entstehung
Seite
16
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

16

rang oder gänzlichen Umarbeitung bedürftig, und vor allem fehltes noch bei vielen Drogen an einem authentischen Zahlenmaterial,um die für ihre Wertbestimmung erforderlichen Grenzzahlen mitvoller Sicherheit aufstellen zu können. Auch hier muss die Wissen-schaft unablässig fortschreiten, wenn sie den Anforderungen derPraxis genügen will. Fast täglich werden neue Arzneimittel empfohlen,aber auch die älteren, gut bewährten erfordern eine dauernde Auf-merksamkeit, da ihre Darstellungsmethoden wechseln und damitauch die durch diese bedingten Verunreinigungen.

Unser Gesetzbuch, das Deutsche Arzneibuch, kann für die Unter-suchung der Arzneimittel und für die Wertbestimmung gewisserDrogen nur insofern eine Anleitung geben, als dies auf Grund desjeweiligen Standpunktes der Wissenschaft möglich ist. Auch beinoch so sorgfältiger Bearbeitung können und müssen Irrtümer unter-laufen welches Werk von Menschenhand wäre auch ohne Mängel? und diese können nicht sicherer vermindert und unschädlichgemacht werden, als wenn möglichst viele praktische Apotheker dieErfahrungen veröffentlichen, welche sie im Laufe ihrer Unter-suchungen gemacht haben. Nichts kann den Verfassern unseresArzneibuches willkommener sein, als eine grosse Zahl solcher Ver-öffentlichungen, die natürlich einer wissenschaftlichen Kritik stand-halten müssen. Dann wird es auch möglich sein, dass in an-gemessener Frist nach dem Erscheinen einer neuen Ausgabe desDeutschen Arzneibuches ein amtlicher Nachtrag zu derselben er-scheint, in welchem die Mängel beseitigt werden, welche zu Bean-standungen Anlass gegeben haben.

Wir sind zur Zeit in Deutschland insofern in einer sehr glück-lichen Lage, als wir über eine Anzahl ausgezeichnet redigierterFachblätter verschiedener Richtung verfügen, welche gediegenewissenschaftliche Beiträge jederzeit gern aufnehmen. Für grössereAbhandlungen haben wir ferner im Archiv der Pharmacie und inden Berichten der Deutschen Pharmaceutischen Gesellschaft vielgelesene und auch in naturwissenschaftlichen Kreisen angesehenePublikationsorgane. Von allgemeinem Interesse würde es fernersein, wenn die betreifenden Autoren, ähnlich wie es in Gelehrten-kreisen geschieht, ihre Mitteilungen vor der Veröffentlichung aufKreisversammlungen oder bei ähnlichen Zusammenkünften vortragenwollten. Das gesprochene Wort übt bekanntlich eine ganz andereWirkung aus wie das geschriebene, und ausserdem ist jedem Zu-hörer Gelegenheit gegeben, zu dem Vorgetragenen seine Meinungzu äussern. Nichts fördert das Studium der Naturwissenschaftenmehr, als diese Art des Gedankenaustausches.

Diejenigen schliesslich, welche der wissenschaftlichen Pharmacie