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Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 667 Abb.
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399
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Phanerogamen. 399

Klasse II.Angiospermae.

Die Angiospermen bilden bei weitem den Hauptbestandtheil der Vege-tationsdecke. Alle Gräser, Kräuter und Stauden, mit Ausnahme der Farne.Schachtelhalme und Bärlappe, alle unsere Laubhölzer gehören zu ihnen.Sie zeigen erstaunliche Unterschiede der Grösse, welche zwischen derjenigeneines Stecknadelkopfes bei Wolffia arrhixa bis zu den 140—150 m hohenEucalyptusbäumen Australiens schwankt, und ihre Gestalten sind ebenfallsmannichfaltiger als in irgend einer anderen Klasse des Pflanzenreichs.

Die grösste Vcrsehiedenartigkcit zeigt sich im Bau der Blüthen. Diesesind es auch, welche die Angiospermen vor den Gymnospermen charakte-risiren und die sammt den aus ihnen hervorgehenden Früchten und Samendie wichtigsten Merkmale zur Gliederung der Klasse in Ordnungen undFamilien liefern.

Allgemeines lässt sich über die Vegetationsorgane der Angiospermennicht sagen, so dass letztere erst bei den einzelnen Unterklassen, Ord-nungen und Familien Berücksichtigung finden werden. Erwähnt sei hiernur, dass durchgreifende Unterschiede in der äusseren Gliederung zwischenAngiospermen und Gymnospermen nicht vorhanden sind. Was den innerenBau betrifft, so besitzen alle Angiospermen, im Gegensatz zu den Pterido-phyten und fast allen Gymnospermen, echte Gefässe. Die eigenartigeStiuctur des vorwieg end nur aus Tracheiden bestellenden Holzes der Nadel-h ölzer tritt bei gewissen Angiospermen aus der Familie der Magnoliaceen

in ähnlicher Ausbildung Wieder auf.

(Vgl. S. 1

Die Blüthe der Angiospermeii.

Die Gymnospermen besitzen einfache, unscheinbare Blüthen, bei welchendas Perianth entweder fehlt oder durch schuppenartige Siederblätter ver-treten ist. Die Blüthen der Angiospermen dagegen haben eine wechselnde,oft complicirte Structur und, in den meisten Fällen, ein wohl ausgebildetes,lebhaft gefärbtes Perianth. Dieser Unterschied ist in erster Linie auf dasAuftreten eines neuen Factors, der in tiefgreifender Weise die Ausbildungder Angiospermen-Biüthe beeinflusst hat, nämlich auf den Ucbergang vonder Windblüthigkeit zur Insectcnblüthigkeit, zurückzuführen. Die unbe-wusste Vcrmittciung der Insecten bei der Bestäubung hat die Bildungskräfteinnerhalb der Blüthenregion in neue Bahnen geleitet und die Fülle wunder-barer Anpassungen hervorgerufen, welche so viele Angiospermenblüthen zuden anziehendsten Schöpfungen der Pflanzenwelt erhoben haben. (S. 254 u. f.)

Der Einfluss der Insectenwelt auf die Blüthenbildung ist bei der grossenMehrzahl der Angiospermen nachweisbar; einige tiefstehende Gruppen sindjedoch der Windbestäubung treu geblieben, andere sind zu derselben nach-träglich zurückgekehrt oder haben, jedoch nur selten, zur Selbstbestäubunggegriffen. In derartigen Fällen sind die Blüthen unscheinbar und geruchlos,denn schöne Farbe und Wohlgeruch sind nur als Lockmittel für Insectender Pflanze von Nutzen. Den Windblüthlern fehlen die „Blumen". DieBlume, d. h. die der Bestäubung durch Thiere angepasste Blüthe oderblüthenähnliche Inllorescenz stellt, da wo sie vorhanden ist, ein ebensosicheres, wie auffallendes Kennzeichen der Angiospermen dar; es darf aber,