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Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 667 Abb.
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345
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Cryptogamen.

Klasse I.

345

Hepaticae, Lebermoose( 13U ).

Die Lebermoose zerfallen nach dein Bau der Sporogone und derGliederung der geschlechtlichen Generation in vier Ordnungen, von denendie Ricciaceen, Marchantiaceen und Anthocerotaceen ausschliesslich thallöseFormen, die Jimgermanniaceev theils thallöse, theils foliose Formen um-fassen.

1. Ordnung. Die Kicciiiceen weisen unter allen Hepaticae die einfachsteAusbildung auf. Es gehören zu ihnen die Arten der Gattung Riceia, deren dicho-tomisch gelappter Thallus auf Schlammboden am Ufer der Gewässer oder auffeuchten Aeckern kleine Rosetten bildet (Fig. 315^4). Riceia natans schwimmtmit ihren breiten Thalluslappen frei auf der Oberfläche des Wassers nach Artder Lemnaceen. Riceia fluitans lebt dagegen ganz untergetaucht und hat schmalereicher verästelte Thalluslappen Fig. 10, S. 10), sie kann aber auch auf Schlamm-boden niederliegende Kosetten bilden. Die Eiccien tragen auf der Unterseite desThallus feine Rhizoiden (Fig. 3151?) und be-sitzen ausserdem daselbst eine Reihe von quer-gestellten einschichtigen Zelllaraellen, sogen.Ventralschuppen, welche wie erstere sich ander Nährstofl'aufnahme betheiligen, Beide Or-gane fehlen vollständig der submersen Formvon Riceia fluitans, die somit die einfachste Formeines Lebermooses darstellt. Der Thallus be-sitzt eine deutliche Epidermis, darunter grünesassimilirendes Zellgewebe, mit grossen, durchUmwallung des umgebenden Gewebes ent-stehenden Lufthöhlen. In der Mittellinie wirdder Thallus von einem centralen Strang lang-gestreckter chlorophyllfreier aber stärkefiihren-der Zellen durchzogen.

Antheridien und Archegonien treten aufder Oberseite auf und sind eingesenkt. Ausder Eizelle entwickelt sich nach der Befruchtung ein ungestieltes kugeliges Spo-rogon mit einschichtiger Wandung, das im Innern nur mit grossen tetraedri-schen Sporen erfüllt ist. Die Wandung wird vor der Sporenreife aufgelöstund die Sporen werden durch Verwitterung und Zerreissung des sie um-gebenden Archegoniumbauches und der umgebenden Zellen des Thallus frei. Beider Keimung der Sporen entsteht ein ungegliederter Keimschlauch mit Rhizoidenund aus dem Ende desselben eine mehrzellige Keimscheibe, aus welcher derneue Thallus hervorsprosst. Die Protonemabildung ist somit nur eine unbedeutende.

2. Ordnung. Die Marchantiaceen sind weit höher organisirt und inmanchen Gattungen von recht complicirtem Aufbau. Als Beispiel sei die auffeuchtem Erdboden, an Quellen bei uns sehr häufige Marchantia pölymorpha ge-schildert. Sie bildet bis 2 cm breite, an den Enden sich gabelig verzweigendeniederliegende Thalluslappen (Fig. 317^4, Fig. 318^4) mit undeutlich ausgeprägtenMittellinien. — An der Unterseite entspringen lange einzellige Rhizoiden, welchezum Theil glattwandig sind und vorzugsweise der Befestigung des Thallus dienen,zum Theil aber zapfenförmige, in das Lumen hineinragende Wandverdi ckun°-enaufweisen und die Wasserzuführung vermitteln (Zäpfchenrhizoideni, ausserdem ein-schichtige Schuppen. Die Dorsiventralität des Thallus macht sich auch in dem

Fig. 315. Eiccia minima. A Thallusmit eingesenkten Sporogonien amGrunde der Lappen. Nat. Gr. BSchnitt durch einen Thalluslappen,schwach vergr. (Nach Bischoff.)