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Physiologie.
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Wasserstoff und anderen die Lebensthätigkeit störenden Gasen, in Chloroform-dämpfen u. s. w. tritt ebenfalls Bewegungslosigkeit ein, die theils durchSauerstoffmangel, tlieils durch unmittelbar giftige Wirkungen jener Gase be-dingt ist. Wirken die zu den Starrezuständen führenden nachtheiligen Ver-hältnisse nicht zu lange ein, dann kann nach kurzer Zeit der frühere reiz-bare Zustand wiedergewonnen werden ( 76 ).
Die Variationsbewegungen, welche beiden Staubfäden einiger Berberideen(Berberis, Mabonia) und Compositen (Cynareen und Ligulifloren) auftreten, sebliessensich in ihrer Zellmechanik an die der Laubblätter an. Die etwas nach aussengewölbten Staubfäden der genannten Compositen verkürzen sich nach mechanischerReizung unter Geradstreckung ziemlich gleichmässig auf ihrer ganzen Länge, oftum 10—20^, und lassen so den mit Pollen bedeckten Griffel aus der Staub-beutelröhre heraustreten (Fig. 215). Die Verkürzung erfolgt bei massiger Dicken-zunahme, unter Wasseraustritt in die Intercellularen, durch die elastische Con-traction der Membranen ( 77 ). Die Staubfäden von Berberis und Mahonia sindnur an der Innenseite ihrer Basis gegen Berührung empfindlich. Die Verkürzungerfolgt dann auch nur auf der Innenseite und verursacht, dass sich die Antherenauf die Narbe hinbiegen.
Die zweilippigen Narbenlappen des Griffels von Mimulus, Strobilanthes(Goldfussia), Martynia, Torenia und anderen Pflanzen schliessen sich, wenn sieberührt werden, zusammen; der knieförmig abwärts gebogene Griffel von Stylidiumschnellt dagegen bei Berührung des Knies, wenn auch nur für einmal, nachoben um.
VI.Die Fortpflanzung.
Das Lehen aller pflanzlichen Einzelwesen ist, mit Ausnahme der S. 207erwähnten Einzelligen, zeitlich begrenzt; nach kürzerem oder längerem Be-stehen sterben sie ab und verschwinden modernd und verwesend in derHumusdecke des Bodens. Eine Urzeugung, welche neue Einzelwesen ausder leblosen Materie schaffen könnte, findet, so weit unsere Erfahrungreicht, nicht statt. Alle uns umgehenden Pflanzen sind vielmehr die Nach-kommen ihrer Vorfahren und verdanken ihr Dasein der allen Organismenzukommenden Fähigkeit, Nachkommen zu erzeugen. Die Fortpflanzung istdemnach eine Lebensäusserung, welche allen bestehenden Pflanzenarten ge-meinsam sein muss. Hierbei treten auch stets vereinzelte, durch Variation,Missbildung oder Bastardirung entstandene neue Pflanzenformen auf, dievon ihren Erzeugern abweichen, oft kräftig wachsen und eine zähe Lebens-tliätigkeit entwickeln, denen aber häufig die Fähigkeit fehlt, gleiche Nach-kommen zu erzeugen oder mit wildwachsenden Pflanzen in erfolgreichenWettbewerb zu treten, und die deshalb alsbald wieder verschwinden, wennsie nicht durch menschliche Kunst vermehrt und erhalten werden. Einegrosse Zahl von Culturpflanzen, mit denen der Mensch die Erde bevölkerthat, gehört zu diesen künstlich vor dem Untergang bewahrten Pflanzen-formen.
Es liegt aber in dem Wesen der Fortpflanzung, dass nicht nur neueEinzelwesen erzeugt werden, sondern dass diese Einzelwesen zugleichjünger sind, also ihr selbständiges Dasein an einem, von ihren Erzeugernschon überschrittenen Punkt der Entvvickelung neu beginnen.