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Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 667 Abb.
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sämmtliche Blätter so niedergesenkt sind, erholt sich aber bald wieder undnimmt ihre frühere Blattstellung wieder an, Avenn ihr Buhe gelassen wird.Noch merkwürdiger ist das Verhalten der Blätter, wenn niclit das ganzeBlatt oder die ganze Pflanze, sondern nur die Endfiederchen eines Secundärstielsgereizt werden. Am besten geschieht dies ohne Erschütterung durch Anbrennenmittels eines Streichholzes. Augenblicklich klappen dann die versengten Blättchennach oben, ihnen aber folgen nun der Keine nach sämmtliche Fiederpaare biszum Fingeransatz. Von hier überträgt sich die Reizerscheinung auf die anderenFinger, an denen jetzt die Blättchen in umgekehrter Reihenfolge, also von innennach aussen fortschreitend, zusammenschlagen. Haben sich auch die Finger seit-lich an einander gelegt, und wähnt der Beobachter den Bewegungsvorgang ab-geschlossen, dann überrascht ihn plötzlich noch einmal der Hauptstiel durch

rasche Abwärtsbeugung. Von diesem einenBlatte aus kann sich der Reiz auch im Stengel,oft bis zu 50 cm weit, fortpflanzen und aufandere Blätter übertragen.

Die Bewegungen der Polster werdendurch Turgorschwankungen bewirkt, welche,wie bei den nyktitropischen Bewegungen, inden antagonistischen Gelenkhälften in entgegen-gesetztem Sinne erfolgenp 4 ). Man hat bei derBeizwirkung beobachtet, dass aus den Zellender allein reizempfänglichen Unterseite desHauptstielpolsters ein plötzlicher Austritt vonWasser in die Intercellularräume erfolgt. DieFortleitung des Reizes scheint nach den Unter-suchungen Haberlandt's aber niclit von derBewegung dieses ausgestossenen Wassers, son-dern vom Inhalte schleimführender, im Sieb-theil verlaufender Zellschläuche vermittelt zuwerden. Mittels hydrostatischer Druckdiffe-renzen konnte Mac Dougal die Auslösungder Reizbewegungen jedoch nicht künstlichhervorrufen.

Der Stellung eines erschütterten Blattesäusserlich ähnlich ist seine Schlaf- oder Macht-stellung, doch sind die Spannnngszustände,die zu den beiderlei Stellungen führen, in demGelenkpolster verschieden.

Robinia, Oxalis acetosella und die Oxa-lidee Biophytum führen auf kräftige mechanische Reize hin gleichfalls,wenn auch nur unbedeutendere, Bewegungen aus.

Die gegen äussere Einflüsse so sehr empfindliche Mimose bietet dasbeste Object, um die merkwürdigen Starrezustände der Bewegungsorganekennen zu lernen. Es wurde bereits erwähnt, dass die Reizbewegungender Mimose nur bei genügend hoher Temperatur lebhaft eintreten; untereinem gewissen Wärmegrad findet überhaupt keine Bewegung mehr statt,es ist dann Kältestarre eingetreten. Aber auch andere ungünstige Ver-hältnisse können veranlassen, dass keine Bewegung mehr auf Beize hin er-folgt. So tritt bei etwa 40° Lufttemperatur Wärmestarre, bei Wasser-

B

A

Fig. 215. Staubblätter der Cen-taurea jacea, durch Entfernen derKronröhre freigelegt. A (rechts)im reizempfänglichen, B (links)im contrahirten Zustande, e Un-terer Theil der Kronröhre, s Staub-fäden, a Antherenröhre, g Griffel,P Pollen. Vergrössert. Frei nachPfeffer.

mangel noch vor dem Welken Trockenstarre,

bei längerem

Aufenthalt

im Fmstern Dunkelstarre ein, welche wahrscheinlich durch krankhafteStörungen in den Chlorophyllkörpern veranlasst wird. Im Vacuum, in