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Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 667 Abb.
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Physiologie.

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sich nebenher eine außergewöhnliche Quelle stickstoffreicher organischerNahrung nutzbar machen und dieselbe zu einem kräftigeren Gedeihen undvor Allem zu reichlicherer Samenproduction verwenden als es ohne thierischeNahrung möglich ist. Es ist wohl kein Zufall, dass die thierfangenden(carnivoren) Pflanzen (gewöhnlich insectenfangende oder Insectivorengenannt) meist Bewohner sehr feuchter Standorte, des Wassers und derSümpfe oder Bewohner feuchter Tropenwälder oder auch Epiphyten (nichtschmarotzende Baumbewohner) sind, denen die Stickstoff- und phosphor-haltigen Bodensalze nicht in dem Maasse zufliessen wie stark transpirirendenLandpflanzen. Besonders deutlich wird dieser Umstand bei Betrachtungunserer einheimischen Somienthau-Pflänzchen (der Drosera-Arten), welchemit wenigen dünnen Würzelchen den mächtigen, schwammartig durchnetztenTorfmoos-Rasen lose aufsitzen. Hier muss die Fleischnahrung ein will-kommener Beitrag zur Stickstoffernährung sein.

Für den Thierfang bestehen bei den carnivoren Pflanzen die mannigfaltigstenEinrichtungen. Auf den Blättern der Drosera stehen wie Schneckenfühler ge-staltete stielartige Auswüchse, derenDrüsenköpfchen ein klebriges saueresSecret absondern (Fig. 189 und 119).Kleinere Insecten, aber auch grössereFliegen und Schmetterlinge, die mitdiesen Drüsenköpfchen in Berührungkommen, bleiben daran hängen, gerathenbei ihren Befreiungsversuchen mit nochmehr Drüsen in Berührung und werdendadurch um so fester gehalten. DurchdenBerührungsreiz veranlasst, krümmen

Fig. 190. Bin Blatt der Venusfliegenfalle(Dionaea museipula). Auf der inneren Blatt-fiäche die empfindlichen Borsten, deren Be-rührung ein plötzliches Zusammenklappender beiden Blatthälften bewirkt. Der schraf-firte Theil der Innenflächen dicht mit Ver-dauungsdrüsen besetzt. (Nach Darwin.)Vergrössert.

sich dann sämmtliche Stielchen („Ten-takeln") nach dem Opfer bin, wobeidie Blattfläche selbst hohl wird unddas Insect umfasst. Das Secret wirdnun reichlicher ausgeschieden, sein Ge-halt an Säuren (Ameisensäure?) wirdgesteigert und es tritt ausserdem einpeptonisirendes Ferment hinzu.Das gefangene Thier wird in kurzer Zeit vom Secret ganz überzogen und ein-gehüllt; es erstickt und wird dann langsam verdaut. Die gelösten Fleischtheilewerden darauf von den Blattzellen sammt dem Secret resorbirt.

Bei der ebenfalls in Deutschland heimischen Pinguicula legt sich der Blatt-rand um das kleine Thier, welches an den winzigen Hautdrüsen hängen bleibt. —Die gleichfalls bei uns in stehenden Gewässern vorkommenden Utricularia-Artentragen an den fein zerschlitzten Blättern 'Fig. 4ü) grüne Blasen (umgewandelteBlattzipfel;, die eine kleine viereckige Oefihung besitzen. Diese Oeffnung ist miteiner elastischen, nur nach innen sich öffnenden Klappe verschlossen, gestattetkleinen Schneckchen und Krebs'chen, die durch besondere Auswüchse nach derOeffnung hin geleitet werden, leicht den Eingang in die Blase, verwehrt ihnenaber den Austritt, so dass man oft zehn und zwölf Thiere darin gefangen findet.Haare, die von der inneren Blasenwand kreuzweise aus gemeinsamer Basis ent-springen, scheinen die Resorption der absterbenden thierischen Körper zu be-sorgen.

Stattlicher und leistungsfähiger sind die Fangeinrichtungen ausländischer Car-nivoren. Geradezu überraschend ist die Schnelligkeit, mit welcher die Venus-fliegenfalle (Dionaea) auf den Torfmooren Carolinas ihre hohlen gezähnten Blatt-