142
Noll:
u ti «
Gewebespannung auf, welche erst während der eigentlichen Streckung derGewebe ihren höchsten Werth zu erreichen pflegt. Haben dann die Organeihre sehliessliehe Grösse erreicht, dann nehmen mit der Elasticität der Mem-branen und mit der Zellspannung auch die Gewebespannungeu wieder ab.Die Aufgabe der Festigung übernehmen für die Folge dann besondere Zell-gruppen, die ihre Wände stark verdicken und verhärten und ein an sich festesGerüstwerk bilden, etwa wie es das Knochenskelet der höheren Thiere darstellt.Mechanische Gewebe (Stereome)( 3 ). Als Skeletgewebe, welche starkenKnochen oder feinen Gräten vergleichbar den Pflanzenkörper durchsetzen,dienen vornehmlich die dickwandigen Elemente des Holzes, die skleren-chymatisch verdickten Fasern des Grundgewebes und des Bastes, fernerauch Steinzell-Complexe. Der Widerstand, welchen diese Gewebeformen demSchneiden, dem Zerreissen und Brechen, dem Zerdrücken und scheereudenKräften entgegensetzen, verräth schon genugsam ihre Härte, Zähigkeit und
Festigkeit. Schwendek'er's genaue Unter-suchungen nach physikalischen Methoden habenauch bestimmte Anhaltspunkte und Vergleichs-zahlen für ihre mechanischen Eigenschaften er-geben. Danach kommt die Tragfähigkeit derSklerenchymfaseni im Allgemeinen der des bestenSchmiedeeisens gleich, sie erreicht bei einzelnenPflanzen sogar die des gehämmerten Stahls. Da-bei ist aber die Dehnbarkeit zehn bis fünfzehnMal grösser als die des Schmiedeeisens. Wiedie mechanische Widerstandsfähigkeit ihrerSubstanz, so entspricht auch die Anordnungder Skeletgewebe im Pflanzenkörper ihrer be-sonderen Aufgabe in vollkommener Weise. Sieist, wie Schwendenee zeigte, je nach den An-sprüchen, welche an die Biegungsfestigkeit, auZug- oder Druckfestigkeit gestellt werden, ver-schieden. Zur Erreichung der B i e g u n g s f e s t i g -keit ist die günstigste Anordnung der hartenGewebe die peripherische. Wenn ein geraderprismatischer Stab gebogen werden soll, dannmuss die convexe Seite nothwendig verlängert.die coneave mehr oder minder zusammengepresstund verkürzt werden. Wie die nebenstehende
Fig. 169. Längsdurcbschnitt durcheinen elastischen Cylinder vor derBiegung (punktirt), und nach der-selben (ausgezogen). Vor der Bie-gung sind alle Längskanten, dieäusseren (aa,a'a') und die innerenLängslinien (vi, i'i') gleich lang(= 31,4 mm). Nach der Biegungist dieAussenkante «'auf 37,6mmverlängert, a auf 25,1mm verkürzt.Die innerenLängslinicnerfahrendabei nur geringe Dimen-sionsänderungen, »' ist von31,4 auf 32,6 verlängert, i von31,4 auf 30,1 verkürzt.
Fig. 169 zeigt, müssen die äussersten Kanten a.a und a', a! des gebogenen Stabes die grössten Längendifferenzen erfahren,während die Längsstreifen i, i und i, i im Innern nur wenig verlängertoder verkürzt werden. Wären die Skelettheile hier im Innern, bei n, aus-gebildet, dann könnte mit Hülfe geringer Längendifferenzen derselben immer-hin noch diese ansehnliche Biegung des Organs zu Stande kommen; je weiterdieselben aber nach aussen liegen, um so mehr müssten sie gedehnt bezw. com-primirt werden, um so grösseren Widerstand setzen sie demnach der Beugungentgegen. In der That finden wir bei aufrechten Stengeln und Blütlienschäften,bei denen es auf Biegungsfestigkeit ankommt, die mechanischen Elementevorzugsweise aussen angeordnet, oft sogar in vorspringende Kanten verlegt.(Fig. 170, 1 und 2.) Bei Wurzeln, bei vielen Bhizomen und Stolonen, diesich zwischen Hindernissen durchwinden müssen, ist das Skeletsystem centralangeordnet, wo es, ohne die Seitenbewegungen zu beeinträchtigen, stets alsGanzes seine volle Zugfestigkeit entfalten kann (Fig. 170, 4). Einen