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Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 667 Abb.
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Noll:

vermindert sicli natürlich der Innendruck, die elastisch gespannte Membran(deren Dehnung- 10—20,^ betragen kann, zieht sich zusammen, die ZelleAvird kürzer und schmäler und verliert dabei ihre Festigkeit und Elasticität:sie wird weich und schlaff.

Dieser Zustand tritt unter natürlichen Verhältnissen ein, wenn einekrautige Pflanze durch die Verdunstung mehr Wasser verliert als ihr ersetztwerden kann. Man sagt dann die Pflanze welkt. Eine welke Pflanze zeigtdurch ihr Schlaffwerden aber deutlich an, dass sie sich nicht durch dieFestigkeit ihres Zellhautgerüstes, sondern nur durch den inneren Wasser-druck aufrecht erhalten konnte; eine reichliche Zufuhr vonWasser lässt denn auch den früheren Zustand alsbaldwiederkehren.

Ausser durch Verdunstung kann das Wasser den ZellenF aber auch durch dieselben Molecularkräfte entzogen werden.

welche den Druck in ihrem Innern erzeugen. Wird näm-lich die Zelle von einer Lösung umspült, welche ebenfallsanziehend auf Wasser wirkt, so wird je nach der wasser-anziehenden Kraft der letzteren der Turgor der Zelle ge-schwächt oder ganz aufgehoben. Geht die Wasserent-ziehung weiter, so löst sich der Protoplasmakörper vonder Zellwand los und zieht sich mehr oder weniger kugeligzusammen. Auch bei dieser Wasserentziehung durch sogen.Plasmolyse schwindet mit der Spannung der Zellwanddie Festigkeit; die Zellen werden schlaff und welk,obgleich sie von wässeriger Flüssigkeit rings umgebensind (Fig. 168). Durch Ueberführen in reines Wasser kann,wenn das Plasma nicht von der Salzlösung stark gelittenhat, der frühere turgescente Zustand auch hier raschwiederhergestellt werden. Ist das Plasma jedoch abge-storben, dann ist es vollkommen durchlässig gewordenund die Bedingung für einen einseitigen Ueberdruck istzerstört. Frische, lebendige Scheibchen der Zuckerrübeund der rothen Eübe lassen, in reines Wasser gelegt,weder Zucker noch Farbstoff aus den unverletzten Zellenin dieses übertreten. Wird das Protoplasma aber durchErfrieren oder Kochen getötet, dann entweichen Zuckerund Farbstoff in das umgebende Wasser, die Scheibchenverlieren dabei ihre Festigkeit und werden schlaff.

Die Plasmolyse bat insofern eine grosse wissenschaft-liche Bedeutung, als sie uns in den Stand setzt, den inPflanzenzellen herrschenden Druck durch Vergleich zu messen.Wenn eine Salpeterlösung von bestimmtem Procentgehalt einenosmotischen Druck von fünf Atmosphären erzeugt (eine ein-procentige Kalisalpeterlösung entwickelt nach Pfeffer's Untersuchungen einenosmotischen Druck von ca. 3y 2 Atmosphären) und diese Lösung gerade hinreichendist, den Turgor einer Pflanzenzelle aufzuheben (was bei elastisch gedehnten Zellensich schon durch das Aufhören der Verkürzung kundgiebt), dann zeigt sie an, dassder Zellsaft annähernd mit derselben Kraft und bis zu einem gleichen Ueber-druck Wasser anzuziehen vermag. Auch die mechanischen Zugkräfte, welchenöthig sind, ein welkes oder plasmolysirtes elastisches Organ auf seine frühereLänge auszudehnen, können, wenn auch nur ein ungefähres Maass für die im tur-gescenten Pflanzentheil herrschenden Druckkräfte liefern.

Bei der Turgorspannung sehen wir bekannte, rein physikalische Vorgänge

Fig. 168. EinzelligesStammglicd einerMtella (Characee)etwa 6 Mal ver-grösserO 1 frisch unddurch Turgor ge-spannt. P dasselbenach zerstörtem Tur-gor, schlaff, kürzerund schmäler; dasPlasma faltigvon derMembran abgehoben.s, s Seitenglicüer.