Physiologie.
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Das aber können vrir iin Hinblick auf die Eigenschaften der lebendigen Sub-stanz doch wohl behaupten: Die äusseren Lebesbedingungen können damalsvon den heute auf dem Erdballe herrschenden nicht allzu verschieden ge-wesen sein; denn es ist eine höchst merkwürdige Eigentümlichkeit derLebewesen, dass ihre Lebensthätigkeit, ja ihre ganze Existenz, nur zwischenauffallend engen Grenzen kosmischer Einwirkungen möglich ist. Innerhalbeines Spielraums von etwa 60° C. erhält sich nur die Lebensfähigkeit despflanzlichen Plasmas; in noch viel engeren Grenzen bewegt sich seine volleLebensthätigkeit. Ein Zuviel von Licht vernichtet sein Leben wie ein Zuwenigvon Wärme, und es genügen unwägbare Mengen von gewissen sogen, giftigenStoffen, um in einem Augenblicke jenen geheimnissvollen Bau unwieder-bringlich zu zertrümmern, in dem doch die Fähigkeit schlummert, untergünstigen Umständen ganze Welten zu bevölkern.
Trägt die lebendige Pflanze nun auch vornehmlich in sich selbst dieBedingungen für die Art und Weise ihrer Lebensäusserungen, so ist sie dochauch durch enge Wechselbeziehungen mit ihrer Umgebung verknüpft undganz und gar abhängig von deren Zustand. Die Aussenwelt liefert nichtnur die stoffliche Grundlage für den Pflanzenkörper, sondern spendet auchin Form von Bewegungen, zumal in Licht- und Wärmeschwingungen,Energie, welche in mannigfachen Vorgängen im Getriebe des Lebens wiedernutzbar gemacht wird; die Einflüsse der Aussenwelt wirken zudem als Reiz-ursache, auf welche das pflanzliche Plasma ständig mit Lebensäusserungenreägirt. Diese äusseren Einwirkungen werden aber, wie erwähnt, nur beibestimmter und eng begrenzter Intensität dem Leben nutzbar gemacht. Dieuntere Grenze für ihre Wirksamkeit bezeichnet man als das Minimum,die obere als das Maximum, und hebt denjenigen Intensitätsgrad als dasOptimum noch besonders hervor, unter dessen Einwirkung eine bestimmteLebenserscheinung ihren Höhepunkt erreicht (vgl. auch S. 207). Für dieverschiedenen Lebensvorgäiige innerhalb einer Pflanze und für verschiedene,zumal an abweichende Lebensverhältnisse gewöhnte Pflanzen sind diese so-genannten „Cardinalpunkte" aber meist verschieden.
So verlangen gewisse Pflanzen zu ihrem vollen Gedeihen das unge-schwächte Sonnenlicht; andere dagegen, die sogen. Schattcnpflanzen,kommen nur im gedämpften Lichte des Waldesschattens zu voller Entwicke-lung. Das Lichtbedürfniss wechselt aber nicht nur bei verschiedenen Pflanzen-arten und innerhalb einer Art auch wieder individuell, sondern es kann beidemselben Einzelwesen sich das Optimum der Lichtwirkung unter Um-ständen verschieben. Viele der tropischen Ciilturpflanzen verlangen z. B.während ihrer Jugend Schatten und müssen daher durch besonders an-gepflanzte schattenspendende Bäume (Albizzia moluccana u. a.) zunächst ge-schützt werden, während sie später die volle Tropensonne vertragen odergar nöthig haben.
Bei niederen Temperaturen, die um den Gefrierpunkt des Wassers liegen,tritt bei den meisten Pflanzen eine Tötung durch Erfrieren ein. Empfind-liche Pflanzen können schon erfrieren bei Temperaturen über 0° und langebevor es in ihren Geweben zur Eisbildung kommt. Andere dagegen ertragenselbst die Eisbildung in ihrem Innern, die aber meist nicht in den Zellenselbst, sondern in den Intercellnlarräumen beginnt und fortschreitet aufKosten des sich mehr und mehr concentrirenden Zellsaftes. Daher tritt dieEisbildung auch erst bei Temperaturen unter Null ein und schreitet mit zu-nehmender Kälte nur allmählich weiter fortC).