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Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 667 Abb.
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Noll:

anatomischen Ausbildung ein unverkennbarer Hinweis, dass die Organe einerFunction wegen da sind und dass sie nicht zufällige Ausgestaltungen desPflanzenkörpers darstellen.

Die Eigenschaften und Verrichtungen der Organe wie auch der einzelnenZellen bilden den Gegenstand für das physiologische Studium derPflanzen. Es leuchtet aber ein, dass die Physiologie nur auf der Grundlageder Kenntniss vom äusseren und inneren Bau der Pflanzen verständlichwird, ebenso wie der Gang und die Leistungen einer Maschine erst durchdie Bekanntschaft mit ihrer Construction erklärlich werden. Aeussere undinnere Morphologie erhalten andererseits durch die Physiologie ihren tieferenSinn und ihre geistige Belebung.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Physiologie zunächst dieübereinstimmenden Momente in der Mannigfaltigkeit der Einzelerscheinungenaufsuchen muss, welche eben dadurch wesentliche functionelle Bedeutung ver-rathen. Umgekehrt muss die Systematik gerade die Abweichungen, also dieStammeseigenheiten verwerthen, welche sich daneben geltend machen, weilgerade sie von der grössten Wichtigkeit für die Erkenntniss der Verwandt-schaften sind. So genügt es für das physiologische Vcrständniss der Blüthenzu wissen, dass sie die Organe der sexuellen Fortpflanzung bei den höherenPflanzen sind; es genügt zu wissen, dass die männlichen Zellen in Staub-blättern ausgebildet werden, welche sich irgendwie öffnen und die Pollen-körner frei legen; dass die weibliche Zelle, in Samenanlagen eingeschlossen,durch die erreichte Vereinigung mit der männlichen Zelle des Pollenschlauchszum Embryo, also zu einer jungen Pflanze heranwächst. Diese wichtigenThatsachen sind bei allen Blüthen dieselben; verschieden ist nur deren beson-dere jeweilige Ausgestaltung.

In gewissem Sinne kommen specielle Ausgestaltungen freilich auchphysiologisch in Betracht, sofern sie nämlich besonderen Verrichtungendienstbar gemacht sind, wie sie in den Beziehungen der Pflanze zu ihrerUmgebung zur Geltung kommen (Bestäubung, Samenverbreitung, YVasser-öconomie etc.). Diese speciellere Seite der physiologischen Betrachtung pflegtman als die biologische oder öeologische zu bezeichnen und fasst ihr Studiumunter dem Begriffe der Biologie, oder — da dieses Wort im Auslande dieallgemeinere Bedeutung der Lehre von den Lebewesen überhaupt gewonnen

hat

noch besser als Oecoloc-ie zusammen.

Physikalische und vitale Eigenschaften der Pflanzen.Allgemeine Lebensbedingungen.

Abgesehen von den mehr oder minder flüssigen Entwickelungsstadieueiniger niederer Organismen, wie sie als Amöben und Plasmodien der Myxo-myceten (S. 45 erwähnt wurden, haben wir es bei den Pflanzen, trotz deshohen Wassergehalts, mit festen Körpern zu thun. Die physikalischen Eigen-schaften der festen Körper im Allgemeinen kommen demnach auch bei demPflanzenkörper zur Geltung. Schwere, Festigkeit, Elasticität, Leitungsfähig-keit für Licht, Wärme, Elektricität u. s. w., das sind Eigenschaften, welcheder Pflanzenkörper mit andern, auch den leblosen Körpern gemein hat. Sowichtig diese Eigenschaften nun auch für das Bestehen und für das Lebender Pflanze zum Theil sind, so bedingen sie doch noch nicht das Leben selbst.

Die Lebenserscheintfngen sind ausschliesslich an das leben-dige Protoplasma gebunden. Keine andere Substanz zeigt auch nurähnliche merkwürdige und mannigfaltige Erscheinuiieen. die sich mit dem