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Lehrbuch der Botanik für Hochschulen : mit 667 Abb.
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4 Strasburger:

stimmten Eigenschaft entgegen, welche den leblosen Körpern fehlt und diewir als Reizbarkeit bezeichnen. Sie äussert sich darin, dass äussere oderinnere Anstösse im lebenden Organismus als Auslösungen wirken und ihnzu Thätigkeiten veranlassen, die er mit Mitteln, über die er verfügt oderdie er sich zu beschaffen vermag, in einer durch seinen Bau bedingten undseinen Bedürfnissen entsprechenden Weise, ausführt. Auch in den kleinstenund einfachsten Organismen, die wir kennen, beruhen die Lebensvorgängeauf derartigen Reizvorgängen. Doch entsteht die Frage, ob mit den kleinstenund einfachsten Wesen, die uns unsere Vergrösserungsgläser jetzt zeigen,die unterste Grenze des Lebens wirklich erreicht sei. Diese Grenze hat sichmit der steigenden Leistungsfähigkeit der optischen Instrumente seit jeherverschoben, daher die Annahme willkürlich wäre, dass sie gerade jetzt er-reicht sei. Nägeli schloss daher auf die Existenz immer einfacher werdenderWesen jenseits der jetzt sichtbar zu machenden. Er stellte sich bei ihneneine allmähliche Abstufung der Lebensvorgänge bis zu einer solchen Verein-fachung vor, die ihre Ableitung aus leblosen Körpern erleichtern sollte. Dennfür die Substanz, die am Ausgangspunkt der organischen Entwicklung stand,ist ein anorganischer Ursprung anzunehmen. Damit aber aus jener organischenSubstanz die Welt der Organismen sich bildete, musste zu ihren ursprünglichenEigenschaften schon die Entwicklungsfähigkeit gehören, d. h. die Fähigkeit sichzu verändern und die erfolgte Veränderung als neue Eigenschaft festzuhalten,auch schon die Fähigkeit des Wachsthums, d. h. der Vermehrung der Körper-masse auf Kosten fremder Substanzen, endlich auch die Fähigkeit der Fort-pflanzung, d. h. einer Vervielfältigung durch Trennung in gesonderte Theile.Für alle lebenden Wesen, die unmittelbar oder mittelbar unseren Sinnenzugänglich sind, steht jetzt fest, dass sie aus ihresgleichen hervorgehen.Auf allen Gebieten, über die unsere Erfahrung reicht, erscheint die „Generatiospontanea", d. h. Urzeugung, ausgeschlossen. Im Alterthum war die Vor-stellung weit verbreitet, dass selbst hochorganisirte Pflanzen und Thiereaus Schlamm und Sand entstehen könnten; diese Anschauung wurde selbstvon Aristoteles gctheilt. In dem Maasse, als sich die Kenntniss von derEntwicklung lebender Wesen erweiterte, wich die Grenze für die Generatiospontanea immer mehr zurück. Die Urzeugung wurde auf die Eingeweide-würmer beschränkt, deren Auftreten im Innern anderer Wesen man siehanders nicht vorzustellen wusste, und auf mikroskopisch kleine Organismen,deren Entstehung sich der Controle entzog. Doch auch für alle diese Wesenhat fortschreitende Forschung die Generatio spontanea beseitigt. Man lerntedie Entwicklungsgeschichte der Eingeweidewürmer kennen, man stellte fest,dass die Keime der kleinsten Organismen in Luft und Wasser verbreitetsind und allen Gegenständen anhaften. Auf letzterem Gebiete habenSchwann und Pasteue bahnbrechend gewirkt; sie zeigten, dass man dasAuftreten niederer Organismen an allen Orten, an denen man sie sonst zubeobachten pflegt, durch Zerstörung der vorhandenen Keime und Abschlussgegen neue, verhindern kann. Dass man heute in entsprechender WeiseNahrungsmittel conserviren kann, dankt man jenen auf die Generatio spon-tanea gerichteten Versuchen. Man zerstört zunächst durch hinreichend hoheTemperaturen die den Nahrungsmitteln beigemengten Keime und sorgt danndurch entsprechenden Abschluss dafür, dass neue Keime nicht hinzutreten.Ohne solche Keime bleibt aber die Zersetzung der aufbewahrten Nahrungs-

;änge der niederen Organismen be-

mittel aus, da sie durch die Lebensvorjdingt wird.

Alle lebenden Wesen,

die wir kennen, gehen somit aus anderen lebendenWesen hervor. Andererseits findet die Vorstellung, dass die lebendige Sub-