XXIII.
Die biochemische Richtung in der organischen Chemie.Weitere Forschungen über die Konstitution der orga-nischen Naturprodukte. Untersuchungen über Chloro-phyll und Blutfarbstoff. Auffindung neuer Produkte imPflanzen- und Tierreich. Enzymwirkungen. Alkohol-gärung. Photochemische Untersuchungen.
„Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen,Und haben sieh, eh man es denkt, gefunden."G-oethe.
Die ursprüngliche Aufgabe der organischen Chemie war, dieorganische Natur chemisch zu erforschen. Sie blieb aber beiihrem Aufblühen und ihrer weiteren Entwickelung dieser Aufgabenicht treu, sondern schlug andere Wege ein. „An die Stelle dervegetabilischen und animalischen Stoffe setzte sie viele Kunst-produkte, wie die Kohlenwasserstoffe, die Cyanverbindungen, denHolz- und Steinkohlenteer, den Holzgeist usw., und indem siedie synthetischen Methoden der Mineralchemie in ihren Dienstzwang, bemächtigte sie sich zugleich der Fundamentalproblemeunserer Wissenschaft." Die organische Chemie übernahm seit dendreißiger Jahren die führende Rolle in der Ausbildung chemischerTheorien. Diese Rolle hat sie seit dem neuen Aufschwung der all-gemeinen Chemie nicht mehr. Sie hat keineswegs die theoretischenFragen aus ihrem Programm ausgemustert — solche gibt es nochviele, deren Lösung vor allem ihr gehört — aber sie hat sichihrem Ausgangspunkt, der organischen Natur, mehr genähert. Dieneue biochemische Richtung bedeutet eine Rückkehr der orga-nischen Chemie zu ihren ursprünglichen Aufgaben, zu den che-mischen Problemen der Biologie. Aber der lange Umweg, dendie organische Chemie gemacht, war ein notwendiger, denn nurauf demselben konnte sie ein reiches Erkenntnismaterial erntenund eine Methodik schaffen, ohne welche eine Lösung dieser Pro-bleme unmöglich gewesen wäre. Das Interesse für die Naturkörper