XXII.
Die künstlichen Teerfarbstoffe. Beziehungen zwischenFarbe und Konstitution. Die Ursache der Farbe.Chromoisomerie. Halochromie. Fluoreszenzerschei^nungen in Beziehung zur Konstitution. Neue Auf~fassungen über die Valenz.
„Gleich einem bunten Blumenfelde schmücktdie Fülle von künstlichen Farbstoffen das Gebietder organischen Chemie."
Keine Eigenschaft der Körper ist dem Beobachter so unmittel-bar in die Augen springend wie die Farbe. Sie hat auch vonjeher ein besonderes Interesse geweckt. Der Ursprung der Farbeund ihre Abhängigkeit von der chemischen Zusammensetzung derStoffe ist aber ein Problem, an dessen Lösung man sich erst inneuerer Zeit gewagt hat. Es war auffallend, daß, während dieorganische Natur den Eindruck reicher und bunter Farbenprachtgibt, die ganz überwiegende Mehrzahl der organischen Verbin-dungen farblos ist. Unter den künstlichen Kohlenstoffverbin-dungen waren bis in die fünfziger Jahre nur ganz vereinzeltefarbige Körper bekannt. In letzterer Hinsicht hat sich die Sach-lage allmählich geändert. Wie schon in einem früheren Kapitelerwähnt worden ist, wurden am Ende der fünfziger Jahre dieersten künstlichen Farbstoffe gewonnen. Ihre Zahl hat sich inrascher Folge vermehrt. Die farbigen organischen Verbindungensind keine Seltenheit mehr, wenn auch immerhin die farblosenKörper die große Mehrzahl bilden.
Die künstlichen organischen Farbstoffe waren in den letzten50 Jahren der Gegenstand einer emsigen Arbeit. Die organisch-chemische Forschung und ihre spezielle Technik hat hier in prak-tischer und ökonomischer Hinsicht ihre größten Erfolge erzielt.Auf eine Besprechung der Entwickelung unserer Kenntnisse vondiesen Stoffen müssen wir hier aber verzichten. Nur eine ganz