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Geschichte der organischen Chemie von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart
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Sterisehe Einflüsse auf den Reaktionsverlauf.

ihrer Bindungsart, Stellung usw. bedingt. „Wie das Vorhanden-sein der Aktivität selbst eine Erscheinung von rein konstitutivemCharakter ist, so wird auch die Größe der Aktivität wesentlichdurch konstitutive Faktoren bedingt 1 )." Um diese Beziehungenklarzustellen, sind zahlreiche Untersuchungen gemacht worden,so in neuester Zeit von Pickard, Hilditch, Hudson, Tschu-gaeff, Cohen, Rupe u. a.

Es wurde schon im Kap. XVI darauf hingewiesen, daß diestereochemischen Erwägungen nicht nur zur Erklärung gewisserIsomerieerscheinungen herangezogen wurden, sondern auch zu einemrichtigen Verständnis der bei der Bildung ringförmiger Kohlen-stoffverkettungen beobachteten Erscheinungen führten. Späterwurde die sterisehe Betrachtungsweise auch auf diejenigen Fälleangewandt, in denen es sich um das Ausbleiben oder die Er-schwerung chemischer Reaktionen bei sonst als reaktionsfähigbekannten Atomgruppen handelt, welche aber durch die räum-lichen Verhältnisse des Moleküls der Fähigkeit, in der ihnensonst eigentümlichen Weise zu reagieren, beraubt werden. EineAnzahl solcher Erscheinungen war schon seit längerer Zeit be-kannt, vor allem bei den Substitutionsvorgängen an Benzolderi-vaten. Die Deutung dieser Fälle wurde von Kehrmann (1890)aufgenommen, der zuerst die Aufmerksamkeit auf die „Abhängig-keit der Substitutionsvorgänge von der Atom- und Molekular-größe der Substituenten" oder ihrer Raumerfüllung lenkte. ImJahre 1894 machte V. Meyer die Beobachtung, daß gewisse aro-matische Säuren sich nur schwer oder gar nicht direkt mit Salz-säure und Alkohol esterifizieren lassen. Er stellte als Regel auf,daß, sobald in einer substituierten Benzoesäure die beiden derCarboxylgruppe benachbarten Wasserstoffatome durch Radikalevertreten sind, eine Säure resultiert, welche nicht direkt esteri-fizierbar ist. Er gibt hierfür eine sterisehe Erklärung. Von an-deren Bearbeitungen dieses Gebietes sind noch die von Jacobson(1892ff.) zu erwähnen, welche sich auf Benzidin- und Semidin-umlagerung beziehen, sowie die umfassenden, im Jahre 1895 an-gefangenen Untersuchungen von Bischoff über die Anhydrid-bildung bei zweibasischen Säuren und über Verkettungen, beidenen zur Erklärung der Reaktionen dynamische Wirkungen undräumliche Einflüsse (Kollisionen) in ausgedehntem Maße berück-sichtigt wurden. Auch die Studien R. Meyers über Ringschließungen

J ) S. Waiden: "Über das Drehungsvermögen optisch aktiver Körper-Vortrag. (Ber. d. Deutsch, ehem. Ges. 38, 345.)