Vierwertigkeit des Kohlenstoffs.
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den Radikalen geblieben. Dieser Begriff war aber, wie wir ge-sehen, immer mehr verflüchtigt. „Im Nebel der Radikale warendie Atome dem Blicke verhüllt." Die Radikale wurden nichtmehr als enger geschlossene Atomgnrppen, sondern als Aneinander-lagerungen von Atomen aufgefaßt, „die in gewissen Reaktionensich nicht trennen, in anderen dagegen zerfallen". Ob eine Atom-gruppe gerade die Rolle eines sogenannten Radikals spielt odernicht, ist von der Natur der einwirkenden Substanz abhängig.Von einer solchen Betrachtungsweise ausgehend, äußerte Kekulein seiner wichtigen Abhandlung von 1858 „Über die Konstitutionund die Metamorphosen der chemischen Verbindungen und überdie chemische Natur des Kohlenstoffs" 1 ): „Ich halte es nicht mehrfür die Hauptaufgabe der Zeit, Atomgruppen nachzuweisen, die
I gewisser Eigenschaften wegen als Radikale betrachtet werdenkönnen, und so die Verbindungen einigen Typen zuzuzählen, diedabei kaum eine andere Bedeutung als die einer Musterformel
| haben. Ich glaube vielmehr, daß man die Betrachtung auch aufdie Konstitution der Radikale selbst ausdehnen und aus der Naturder Elemente ebensowohl die Natur der Radikale wie ihrer Ver-bindungen herleiten soll." Und dazu bildet die „Basizität der
| Elemente" den Ausgangspunkt und in bezug auf die organischenVerbindungen vor allem die Natur des Kohlenstoffs.
Kekule hatte schon im Jahre vorher, wenn auch nur neben-her, ausgesprochen, daß der Kohlenstoff ein vieratomiges Elementsei (s. S. 210). In seiner eben erwähnten Abhandlung entwickelter diese Ansicht näher. „Betrachtet man", sagt er, „die ein-fachsten Verbindungen des Kohlenstoffs, so fällt es auf, daß dieMenge Kohlenstoff, welche die Chemiker als geringst mögliche,als Atom, erkannt haben, stets vier Atome eines einatomigen oderzwei Atome eines zweiatomigen Elementes bindet; daß allgemeindie Summe der chemischen Einheiten der mit einem Atom Kohlen-stoff verbundenen Elemente gleich 4 ist. Dies führt zu der An-sicht, daß der Kohlenstoff vieratomig ist." Für ein Atom Kohlen-stoff sind folgende Kombinationen möglich:
IV + 4 1
IV + (II + 2 I)
IV + 2 II
IV + (III + I)
CH 4
COCl 2
co 2
CNH
CC1 4
\-j C>2
CH 8 C1
CHC1 3
!) Ann. Chem. Pharm. 106, 129.